Das antike Griechenland

Die Geschichte des antiken Griechenlands beginnt um 2000 v. Chr. auf Kreta mit der Minoischen Kultur. Nach dem sagenhaften Minos benannt, war sie ein durch den Seehandel wohlhabendes Gemeinwesen mit reger und prunkvoller Bautätigkeit. Die Vorherrschaft Kretas im östlichen Mittelmeer endet um 1500 v. Christus. Minoischer Einfluss findet sich aber in der Palastarchitektur und Keramik in Mykene, dem nun vorherrschenden Zentrum auf dem nordöstlichen Peloponnes wieder. So kann von einem minoisch-mykenischen Übergang gesprochen werden, auch wenn die Mykener mit ihrer weiter fortgeschrittenen bronzenen Waffentechnologie eine stärker militärisch geprägte Kultur besaßen.
Mykenes Untergang um 1200 v. Chr. fällt mit der Zerstörung der Mittelmeerostküstenstadt Ugarit durch die Seevölker zusammen, die auch Ägypten bedrohten und deren ethnische Identität bis heute ungeklärt ist. Der etwa vierhundertjährige kulturelle Dämmerschlaf, die dunklen Jahrhunderte von 1200 bis etwa 800 v. Christus, wurden wohl durch Wanderungsbewegungen regionaler Völker wie z.B. der Dorer verursacht. Die Ioner, ein anderer griechischer Stamm, siedelten nun auf der kleinasiatischen (also heute türkischen) Seite der Ägäis in bedeutenden Zentren wie Ephesus und Milet.

Zur Antike, dem Altertum des Mittelmeerraumes, zählen viele Autoren schon die alte minoisch-mykenische Kultur. Der zweite, der klassische Teil der griechischen Antike, beginnt um 800 v. Chr. mit einer dreihundertjährigen archaischen Periode und erreicht seinen Höhepunkt in den zwei Jahrhunderten von 500 bis 300 v. Christus.
Neben zahlreichen naturwissenschaftlich-mathematischen Entdeckungen und der beispielgebenden Kunst und Architektur gründet deren hervorragende Bedeutung auf den drei Pfeilern Demokratie, Mythologie und Philosophie. Athen war im 7. Jahrhundert v. Chr. die mächtigste der griechischen Poleis, jener Stadtstaaten, die sich aus bäuerlichen Gemeinschaftssiedlungen gebildet hatten. Hier entstand ein demokratisches Gemeinwesen, das auch nach zahlreichen Verfassungsreformen - die fortschrittlichste unter dem Feldherrn und Staatsmann Perikles (500-429 v. Chr.) - Frauen, Sklaven und Fremdgeborene von der Mitbestimmung ausschloss. Bildungsblitz 
In der Mythologie ist bei den Griechen auch Religion und Geschichtsschreibung vereint. Ihre alles überragende Bedeutung erhält sie aber als Füllhorn kunstvoller Geschichten, die den Grundstoff für die erzählende Literatur und das Theater der Griechen selbst, aber auch der folgenden Jahrtausende bildet. Dass es Homer (etwa zwischen 1200 und 800 v. Chr.), der selber als historische Figur nicht nachzuweisen ist, nicht zuvorderst um Götterverehrung oder Zeitzeugnis ging, wird klar, wenn man die mitreißenden Epen Ilias und Odyssee liest. In Versform wird die Belagerung Trojas durch die Griechen und die abenteuerliche Heimkehr des Helden Odysseus erzählt. So wie sich die Atmosphäre und Dramatik der trojanischen Belagerung aus der Ilias in Dramen und Kriegsfilmen wiederfindet, so erkennen wir die Schlitzohrigkeit des Odysseus bei zahllosen modernen Abenteuerhelden wieder, von Jules Vernes Phileas Fogg aus In 80 Tagen um die Welt bis Indiana Jones. Die griechische Mythologie wurde also zu einer Blaupause der Schreibkunst in der ganzen westlichen Welt. Bildungsblitz  
Sokrates, Platon und Aristoteles überspannen die Lebensjahre von 470 bis 322 v. Christus. In diesem Zeitraum schufen sie ein philosophisches Universum, welches das geistige Leben der westlichen Welt bis heute prägt.
Sokrates (grünes Gewand, linke Bildhäfte nach links gewandt, s. Abb) diszipliniert das Denken mit einer vorurteilsfreien Frage- und Dialogtechnik, die über das Aufdecken von Widersprüchen zur Erkenntnis gelangt. Platon (Bildzentrum, Glatze, roter Umhang und erhobener Zeigefinger)  lässt die Menschen in einem Gleichnis auf Schatten an einer Höhlenwand schauen. Die Menschen können die Figuren, deren Abbilder ein Feuer an die Wand wirft, nicht sehen. So trennt er die wahrgenommene von der wahren Welt und schickt die Menschen auf die bis heute andauernde Suche nach dem Wirklichen hinter dem Schein. Aristoteles (rechts neben Platon, blauer Umhang) erklärt das Werden von Dingen, indem die Materie von einer Form beseelt wird. Der Künstler hat die Form der Figur im Geiste vor sich, seine Hände schaffen aus dem Sandstein der Materie die Skulptur. Bildungsblitz 

Die Perser, ein Volk aus dem heutigen Südirak, hatten ab 550 v. Chr. ein Großreich geschaffen und sich dabei auch Mesopotamien und die griechisch-ionischen Siedlungen an der kleinasiatischen Küste einverleibt. Unter der Führung Athens hatten sich die westägäischen Griechen in den Schlachten bei Marathon und Salamis (490 und 480 v. Chr.) gegen die Perser behauptet. Im vierten vorchristlichen Jahrhundert hatte dann Philip II. Griechenland unter die Herrschaft der Mazedonen gebracht, die zuvor im Norden des Landes siedelten und sich selber als Angehörige des griechischen Kulturkreises betrachteten.
Philips Sohn Alexander, ein Schüler des Aristoteles, wollte mehr. Im Jahr 334. v. Chr. brach er an der Meerenge der Dardanellen zu einem atemberaubenden Feldzug nach Asien und Afrika auf. Er eroberte große Teile Kleinasiens, Ägyptens, Mesopotamiens und stieß in nur 8 Jahren bis an den Indus im heutigen Pakistan vor. Nach dem frühen Tod Alexanders des Großen 323 v. Chr. in Babylon konnten seine Nachfolger, die Diadochen das Reich nicht einigen. Griechenland fiel in die politische Bedeutungslosigkeit. In den folgenden drei Jahrhunderten, dem Zeitalter des Hellenismus prägte die griechische Kultur aber Sprache, Kunst und Wissenschaft des Mittelmeerraums. Ab dem ersten vorchristlichen Jahrhundert geriet die Region dann zunehmend unter den Einfluss der Römer. 

 
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