Das Ende des römischen Reiches, Germanen, Byzanz und das Christentum

Innenraum der Hagia sophia in Istanbul. Quelle: Bildungsexplosion

Nach der Reichsteilung von 395 n.Chr. überstand das Weströmische Reich noch acht Jahrzehnte. Aus finanziellen und personellen Gründen hatten die Römer immer mehr Germanen in ihr Heer integriert. Und so setzte Odoaker, ein germanischer Offizier im römischen Heer, 476 n.Chr. den letzten weströmischen Kaiser ab und ernannte sich selbst zum König von Italien. Mit Billigung des oströmischen Kaisers eroberten die germanischen Ostgoten 17 Jahre später Italien. Deren König Theoderich ermordete in der neuen weströmischen Hauptstadt Ravenna persönlich Odoaker. Er gründete ein ostgotisches Reich auf italienischem Boden, das bis 553 n.Chr. Bestand hatte.

Spätestens mit dem Auftauchen der Germanen müssen Sie sich mit den Begriffen Stamm, Volk und Ethnie auseinandersetzen. Nicht nur, weil sie für die Propaganda der großen Verbrechen des 19. und 20. Jahrhunderts benutzt wurden, sind sie problematisch (vom der völlig verseuchten Bezeichnung “Rasse“ ganz zu schweigen). Überdies werden die drei Begriffe von Historikern und Ethnologen nur unscharf und nicht übereinstimmend definiert. In der Bildungsexplosion bezeichnen wir einen Stamm als eine lokale Gesellschaft und ein Volk oder eine Ethnie (von griechisch éthnos, Volk) als eine größere Gruppe von Menschen mit gemeinsamer Kultur, Sprache und historischer Vergangenheit (modifiziert aus Wikipedia).
Schon am Beispiel der Deutschen wird klar, dass dies nur eine Orientierung sein kann. Bei der Gemeinsamkeit sowohl von Sprache und Kultur als auch der geschichtlichen Vergangenheit finden sich doch erhebliche Ausnahmen. In Geschichtsbüchern und Quellen sind die Begriffe jedoch gebräuchlich. Wer völlig auf sie verzichten will, wird die Historie nur mit erheblichen sprachlichen Schwierigkeiten wiedergeben können. Bildungsblitz 

Als Germanen werden Stämme zusammengefasst, deren wichtiges Merkmal eine gemeinsame Sprachengruppe war. Diese hatte sich in der zweiten Hälfte des letzten Jahrtausends v. Chr. von den indogermanischen Sprachen, einer großen Familie von Sprachen, die in Europa und Asien gesprochen wurden, abgezweigt.
Die germanischen Stämme lassen sich ab dem letzten vorchristlichen Jahrhundert historisch nachweisen, und lösten sich in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends in den europäischen Völkern auf. Germanische Stämme verdrängten um die Zeitenwende die Kelten, ein schreibunkundiges Volk, das während der Eisenzeit (letztes vorchristliches Jahrtausend) in Mitteleuropa gesiedelt hatte.
Die germanische Völkerwanderung wurde nach Überzeugung der meisten Historiker auch durch die Invasion der asiatischen Hunnen um 375 nach Osteuropa ausgelöst. Es dürften dabei aber zusätzliche Faktoren, wie das Bevölkerungswachstum und Nahrungsmittelknappheit, eine Rolle gespielt haben.

Die ursprünglichen Siedlungsgebiete der ostgermanischen Goten liegen wahrscheinlich an der Weichsel im südöstlichen Ostseeraum. Im zweiten und dritten nachchristlichen Jahrhundert breiteten sich die gotischen Stämme bis an das schwarze Meer aus und erfuhren schließlich als West- und Ostgoten unterschiedliche historische Schicksale. Die Ostgoten kooperierten mit dem oströmischen Reich und dominierten im späten fünften und im sechsten Jahrhundert Italien. Die Westgoten erhielten auf der Flucht vor den Hunnen 376 n.Chr. die Erlaubnis, südlich der Donau auf römischem Territorium zu siedeln. Ihre Integration scheiterte jedoch und nachdem sie dem römischen Heer unter Kaiser Valens eine vernichtende Niederlage zugefügt hatten, zogen sie plündernd durch das Reich. Schließlich ließen sie sich auf der iberischen Halbinsel nieder. Unter zwangsläufiger römischer Duldung gründeten sie dort ein Westgotenreich, das mit einigen Umbrüchen Bestand hatte, bis sie 711 n.Chr. von einem arabischen Heer besiegt wurden.

Auch die Wandalen zogen aus Osteuropa über die römische Reichsgrenze nach Spanien. Sie überquerten die Meerenge von Gibraltar und blieben während des 5. Jahrhunderts die vorherrschende Seemacht im Mittelmeerraum. Die Plünderung Roms im Jahre 455 n.Chr. machte ihren Namen im 18. Jahrhundert zum Inbegriff der Zerstörungswut.
Die Langobarden konnten 568 n.Chr. gewaltsam ein eigenes Reich in Italien gründen, das Kaiser Justinian zuvor von den Ostgoten für das oströmische Reich zurückerobert hatte. Das Langobardenreich bestand, bis es 774 im Reich Karls des Großen, der Keimzelle Frankreichs und Deutschlands, aufging.
Karl war Franke, womit klar wird, dass diesem ursprünglich am Rhein siedelnden Germanenstamm die bedeutendste Reichsgründung auf dem europäischen Festland gelang.

Im Jahre 330 n.Chr. hatte Kaiser Konstantin die Hauptstadt des römischen Reiches nach Byzanz verlegt. Zudem erkannte er das Christentum als gleichberechtigt mit der alten römischen Vielgötterreligion (Polytheismus) an und ließ sich selbst taufen. Er verhalf damit einer Religion zum Durchbruch, die sich auf den heute historisch nicht gut nachweisbaren Jesus von Nazareth beruft. Die Christen waren in den ersten Jahrhunderten in Rom immer wieder schweren Verfolgungen ausgesetzt.

Nach der Reichsteilung von 395 n. Chr. sprechen Geschichtsschreiber vom oströmischen als dem Byzantinischen Reich, obwohl dessen Bewohner es wohl eher als Fortsetzung des Römischen Imperiums verstanden haben. Kaiser Justinian (525 - 565) gelang es tatsächlich, Gebiete in Afrika, Italien und Spanien zurückzuerobern, die aber bald wieder verloren gingen. Bleibende Wirkung hatte dagegen, dass Justinian Kunst und Kultur förderte und beispielweise die Hagia Sophia in Konstantinopel (wie Byzanz seit Konstantin genannt wurde) erbauen ließ. In den folgenden Jahrhunderten sah sich das Byzantinische Reich ständigen slawischen, persischen und arabischen Angriffen ausgesetzt. Vollständig erlosch es erst im Jahre 1453, als der türkische Sultan Mehmed II. Konstantinopel eroberte.

 
Hier einloggen oder registrieren, um einen Kommentar zu verfassen.