Das Leben blüht auf

Diorama zum Leben im Kambrium im Museum Mensch und Natur in München. Quelle:Ghedoghedo

Vor etwas mehr als einer halbe Milliarde Jahren geriet die Evolution in einen ersten kreativen Rausch: Um 540 Millionen vor heute wurden die Ozeane plötzlich von den absonderlichsten Wesen in einer großen Formenvielfalt belebt. Einige sahen mit Scheren und Tentakeln aus wie aus einem Monsterfilm, und die meisten Arten gingen bald wieder unter. Aber auch die Baupläne vieler heutiger Tierstämme erschienen hier im Ozean zum ersten Mal auf der Erde. Nach dem Kambrium, dem Zeitalter in dem dieser nur wenige Millionen Jahre währende Aufbruch lag, wird er „Kambrische Explosion“ genannt. Bildungsblitz

Für die Eroberung des Festlandes übernahmen vor über 460 Millionen Jahren erneut die Cyanobakterien die Vorhut. Aus ihnen entwickelten sich die Moose als erste einfache Landpflanzen, die noch kein eigenes Stützskelett besitzen. Zusammen mit klimatischen Einflüssen, die durch Hitze, Frost und Eis Gestein sprengten, begannen Einzeller und Moose den dritten Baustein unserer Biosphäre zu entwickeln: Der Boden ist neben Luft und Wasser in mehrfacher Hinsicht die Grundlage des Festlandlebens. Er bietet Pflanzen und Tieren eine weiche und durchwirkbare Oberfläche und speichert zudem Wasser, Kohlenstoff und Stickstoff. Den anorganischen Anteil des Bodens bilden Mineralien, die zu mehr als 80 Prozent aus Verbindungen des Sauerstoffs mit Silizium (Si) und Aluminium (Al) bestehen. Daneben finden sich Eisen, Kalzium, Magnesium, Natrium und Kalium sowie in Spuren viele weitere Elemente. Den organischen Teil des Bodens bilden die Überreste der Lebewesen. Diese Kohlenstoffverbindungen bilden teilweise große Moleküle, die Huminstoffe, welche den Boden braun färben. In dieser Lebensgrundlage verwurzelten sich vor etwa 440 Millionen Jahren die ersten Gefäßpflanzen, zu denen neben den Farnen die Samenpflanzen (und damit außer den Moosen alle übrigen Pflanzen) gehören. Sie bilden Leitungsbahnen, in denen sie Wasser und Nährstoffe transportieren.

Als erster Tierstamm betraten nun die Gliederfüßler, zu denen alle unserer heutigen Insekten, Spinnentiere und Tausendfüßler gehören, den Erdboden. Sie atmen über Röhren, die ihren Körper durchziehen und nicht durch Lungen. Letztere elegante und leistungsfähige Form des Sauerstofftransportes entwickelten erst vor etwa 400 Millionen die Amphibien.
Anhand des heute noch lebenden Quastenflosser (weil er sich bezüglich Bauplan und Lebensweise über Jahrmillionen kaum verändert hat, wird er als lebendes Fossil bezeichnet), der Kiemen aber auch eine Art Urlunge besitzt, wird der evolutionäre Übergang von den Fischen zu den Amphibien deutlich. Aus seinen Vorfahren entwickelten sich die ersten vierfüßigen Wirbeltiere. Insekten und höhere Tiere haben also unabhängig voneinander das Land erobert. Während die Amphibien, also Lurche und Frösche, noch stets nahe am Wasser blieben, legten sich die aus Ihnen vor etwa 300 Millionen Jahren hervorgehenden Reptilien eine verhornte Haut zu, die sie vor dem Austrocknen schützte. Die Kriechtiere machten sich in einer neuerlichen Eruption der evolutionären Vielfalt Erde, Wasser und Luft zum Untertan. In dem insgesamt warmen Erdmittelalter von 250 bis 65 Millionen Jahre vor heute besetzten die Reptilien als Dinosaurier mit gewaltigen Pflanzenfressern und Beutegreifern fast alle ökologischen Nischen. Obwohl es auch kleinere Arten, wie den nur doppelpfundschweren Microraptor gab, lag das Durchschnittsgewicht der Dinosaurier bei mehreren Tonnen. Unklar ist, ob alle Dinosaurier wie die heutigen Reptilien wechselwarm waren oder ob einige Arten ihre Körpertemperatur wie die Säugetiere unabhängig von der Außentemperatur konstant halten konnten. Bildungsblitz

 
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