Systematik der Pflanzen

Stieleiche (Quercus robur) aus der Ordnung Buchenartige (Fagales) in der Klasse Bedecktsamer. Fotografie: Bildungsexplosion

Etwa vierhunderttausend Pflanzenarten existieren heute auf der Erde. Es kann in diesem kurzen Kapitel nicht darum gehen, die ungeheure Vielfalt vollständig und fehlerfrei zu ordnen. Falls Sie aber schon einmal zu einem Bestimmungsbuch gegriffen haben, um die Verwandtschaftsverhältnisse einer Pflanze zu klären, wird Ihnen aufgefallen sein, dass Sie ganz überwiegend von Samenpflanzen (Spermatophytina) umgeben sind. Das gilt für einen Spaziergang durch einen mitteleuropäischen Mischwald genauso wie für Gärtnerarbeiten in einem Blumen-, Obst- oder Gemüsegarten. Die Unterabteilung der Samenpflanzen erfasst so unterschiedliche Arten wie die Weiße Seerose (Nymphaea alba) im Feuerwehrlöschteich nebenan und den amerikanischen Riesenkaktus Carnegiea gigantea. Auch die wichtigen Grundnahrungsmittel Mais, Reis und Weizen sind Samenpflanzen.

Also Pflanzen gleich Samenpflanzen? Ganz so einfach ist es nicht. In Abbildung 2 können Sie erkennen, dass Moose, Farne und Bärlappgewächse zu anderen Pflanzengruppen gehören. Sie sind auch heute noch weitverbreitet und haben in der Erdgeschichte eine erhebliche Rolle gespielt. Der wissenschaftliche Ausdruck für eine Gruppe in der biologischen Systematik ist Taxon ((Plural: Taxa): von griechisch táxis, Anordnung, Rang). Die Taxonomie ist ein Teilgebiet der Biologie und beschäftigt sich mit der systematischen Unterteilung der Lebewesen Vom Ende der Riesenechsen zur Steinzeit des Menschen.

Die Abbildungen 2 und 3 sollen Ihnen dazu dienen, das Reich der Pflanzen übersehen zu können. Derartige Darstellungen bieten zweierlei: Weil sich weiter unten (Abbildung 2) bzw. weiter rechts (Abbildung 3) angeordnete Gruppen im Laufe der Erdgeschichte aus den darüber bzw. links stehenden Vorläufern entwickelt haben, kann man evolutionäre Abläufe schnell erfassen. Zudem können Sie auch die Verwandtschaftsbeziehungen der heute existierenden Gruppen auf einen Blick überschauen. Die in diesem Beitrag gezeigten Stammbäume genügen allerdings nicht ganz den wissenschaftlichen Standards der modernen Taxonomie. Sie sind unvollständig und die Längen der Linien bilden weder die genetische Nähe der Verwandtschaft noch die Zeitachse evolutionärer Entwicklungen exakt ab.

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Wahrscheinlich als evolutionäre Fortentwicklung von Grünalgen eroberten Moose im Ordovizium, also vor etwa 490 bis 440 Millionen Jahren als erste Pflanzen das Land. Die Gefäßpflanzen entwickelten sich aus Ihnen. Da die genetische Übereinstimmung dieser Abteilungen sehr weit geht, werden die Gefäßpflanzen teilweise sogar zu den Moosen gezählt. „Ohne Moos nichts los“ gilt also nicht nur für das moderne menschliche Leben, sondern ganz sicher auch für die Flora dieses Planeten. Moose kommen heute zwar auch in den Tropen und sogar in subtropischen Wüsten vor, ihre Hauptbedeutung haben sie aber in der subpolaren Tundra und in Hochmooren, wo sie den Großteil der Biomasse stellen.

Samenpflanzen, Bärlapppflanzen und Farne sind Gefäßpflanzen. Anders als die (übrigen) Moose bilden sie Leitungsbahnen, in denen sie Wasser und Nährstoffe transportieren. Im Karbon, also vor etwa 360 bis 300 Millionen Jahren, dominierten unter diesen drei Gruppen nicht die Samenpflanzen, sondern ihre taxonomischen Geschwister.
In Wäldern aus großen baumartigen Gewächsen speicherten Farne und Bärlapppflanzen große Mengen Kohlenstoffs in energiereichen Verbindungen. In Millionen Jahren gerieten ihre Überreste in weiträumigen Lagern unter die Erdoberfläche. Weil wir einen guten Teil dieser fossilen Kohlenstoffspeicher in wenigen hektischen Jahrhunderten wieder an die Erdoberfläche geholt und als Erdöl, Erdgas und Steinkohle verbrannt haben (und offenbar vorhaben, damit weiterzumachen), verändert der Treibhauseffekt heute das Erdklima.
Während die Bärlapppflanzen heute nur noch als kleine krautige Arten existieren, finden sich unter den Farnen noch einige baumartige Vertreter. Farne wachsen vor allem an schattigen und feuchten Plätzen der Tropen, z.B. am Boden des Regenwaldes.

Wie gesagt - wenn Sie sich nicht im tropischen Regenwald, der Tundra oder in einem Hochmoor aufhalten, sind sie biotopmäßig von Samenpflanzen umgeben.
Ein Samen - das Merkmal dieser Unterabteilung - besteht aus einer Samenschale, dem Embryo und häufig noch einem Nährgewebe. In dem teilweise ausgetrockneten Samen befindet sich der pflanzliche Embryo in einer Wartestellung. Unter günstigen Keimungsbedingungen wächst er zu einer neuen Pflanze heran.

Unter den Samenpflanzen finden sich die beiden Klassen der Bedecktsamer und der Coniferopsida. Letztere bestehen im Wesentlichen aus den Koniferen, also den Nadelbäumen.
Die Bedecktsamer werden oft vereinfachend als Blütenpflanzen bezeichnet (wissenschaftlicher Name: Magnoliopsida). Sie stellen mit 226.000 bekannten Arten mit weitem Abstand die größte Pflanzengruppe dar. Um ihre evolutionären Verwandtschaftsbeziehungen auf einen Blick abzubilden, lässt sich Abbildung 2 noch weiter vereinfachen (Abbildung 3).
In zwei Sätzen könnte die Beschreibung dieses pflanzlichen Kompaktstammbaumes lauten: Evolutionsgeschichtlich trennten sich erst die Moose und anschließend die Farne von der Entwicklungslinie der späteren Samenpflanzen ab. Diese zerfallen in Nadelbäume und Bedecktsamer, welche die meisten der heutigen Pflanzenarten repräsentieren.

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