Der Beginn des europäischen Mittelalters

Abbildung Heinrichs I. (in der anonymen Kaiserchronik für Kaiser Heinrich V.), um 1112/14. Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5574957

Das Frankenheer, welches die Muslime 732 bei Poitiers (im heutigen Westfrankreich) besiegte, wurde von Karl Martell angeführt. Er war Hausmeier im Frankenreich und Großvater Karls des Großen. Der Mausmeier (Majordomus) war der höchste Amtsträger am fränkischen Königshof und regelte den Zugang zum König. Er war zudem Verwalter der königlichen Ländereien und des Hofes. Die Macht dieser erblichen Funktion wuchs ständig an, bis schließlich die Hausmeier selbst die Kaiserdynastie der Karolinger begründeten. Bildungsblitz 

So waren im 8. Jahrhundert drei Nachfolger des Römischen Reiches etabliert: Die islamische Welt, in der man wegen des Verbotes, den Koran zu übersetzen arabisch sprach, das Byzantinische Reich, in dem Latein und griechisch gesprochen wurde und das fränkische Reich Karl des Großen.

Auf Karl beziehen sich Franzosen und Deutsche gleichermaßen, weil er Franke war und diese gewissermaßen das französische Urvolk darstellen. Da die Franken aber genauso zu den germanischen Stämmen gehören wie Sachsen und Sueben (Schwaben), wird klar, dass die europäischen Nationen Frankreich und Deutschland aus einem gemeinsamen Ei geschlüpft sind.

Unter den großen germanischen Stämmen hatten die Franken die geographisch kürzeste, dafür aber die folgenreichste Völkerwanderung vollzogen. Sie waren von ihrem ursprünglichen Siedlungsgebiet am Rhein in das Herz des heutigen Frankreichs gezogen. Unter Chlodwig I. (466 - 511) aus der Merowinger-Familie, einem rücksichtslosen Machtmenschen und Totschläger, begann die Ausdehnung des fränkischen Reiches, die seine Söhne dann fortsetzten. Chlodwig hatte sich 497 katholisch taufen lassen und damit eine schicksalhafte Bindung des neu entstehenden mitteleuropäischen Reiches an die römische Kirche und den Papst geschaffen. Die Verbindung wurde noch enger, als der Sohn Karl Martells, König Pippin III. (714 - 768), die Langobarden in Norditalien unterwarf und Teile des eroberten Gebietes dem Papst schenkte (Pippinsche Schenkung). Pippins Sohn Karl (747 - 814) ließ sich 800 in Rom vom Papst zum Kaiser krönen, was als eine Wiederauferstehung des Römischen Reiches im Westen verstanden wurde. Die Pippinsche Schenkung, große Besitztümer von Rom bis Ravenna, die er dem Papst als „ewigen Besitz“ übergeben hatte, bestätigte Karl der Große. So schuf er die Grundlage des päpstlichen Kirchenstaates.

Seit dem vierten Jahrhundert bezeichnet sich der Bischof (das Oberhaupt einer großen christlichen Gemeinde) der Stadt Rom als Papst. Aufgrund biblischer Quellen sehen sich die Päpste als Nachfolger des von Gott eingesetzten Apostels Petrus, als Stellvertreter Jesu Christi und auch als höchster Gewaltenträger des Christentums.
Von Beginn an entzogen sich die byzantinischen Christen dem Einfluss des Papstes und wurden zur orthodoxen Kirche. Im 16. Jahrhundert spalteten sich nach der Reformation zunächst die evangelische Kirche und wenig später auch die englische Kirche ab.
Auch innerhalb der katholischen Kirche, die erst seit der Reformation so genannt wird, war das päpstliche Amt Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen, wie zahlreiche angefochtene Papstwahlen, sowie gleichzeitig amtierende Gegenpäpste dokumentieren. Durch die päpstliche Krönung Karls zum Kaiser eines neuen zentraleuropäischen Reiches war dieses Amt in die Abhängigkeit der römischen Kirche geraten und natürlich rückte umgekehrt der Papst in den Fokus weltlicher Machtpolitik. Dieser enge gegenseitige Bezug sollte die mittelalterliche Geschichte wesentlich mitbestimmen.

Nach Eroberungsfeldzügen herrschte Karl der Große im 9. Jahrhundert über ein Reich, dessen Gebiet mit dem heutigen Frankreich, den Beneluxstaaten, Westdeutschland und Norditalien etwa dem Gründungsterritorium der Europäischen Union (1957 mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge als Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet).  Auch deshalb wird Karl oft als erster Europäer bezeichnet.
Als unter seinen Enkeln das Frankenreich zerfiel - im Westen herrschte Karl der Kahle (823 - 877) und östlich des Rheins Ludwig der Deutsche (806 - 876) - entstand im 9. Jahrhundert aus dem westlichen Teil Frankreich, das von 987 bis ins 14. Jahrhundert von der Dynastie der Kapetinger regiert wurde.

Eine folgenreiche Eroberung Karls des Großen war die blutige Unterwerfung der entlang der Elbe siedelnden Sachsen: Im ostfränkischen Territorium wurde 919 mit Heinrich I. ein sächsischer Adeliger zum König erhoben. Im zehnten Jahrhundert erschien nun erstmals die Bezeichnung Regnum teutonicum für dieses neu entstandene Reich der Deutschen, welches dann ab dem 15. Jahrhundert in Urkunden als Heiliges römisches Reich deutscher Nationen bezeichnet wird. Seine Ausdehnung veränderte sich vom 10. bis zum 19. Jahrhundert ständig, aber sein territorialer Kern lag stets dort, wo auch heute die meisten Deutschen wohnen: zwischen Oder und Rhein. Allerdings wurde die Region östlich der Elbe erst zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert kolonisiert. Die dort schon zuvor lebenden Slawen wurden zwangschristianisiert. Bildungsblitz

Von 919 bis 1024 regierten von Orten rund um den Harz aus fünf sächsische Könige über das Reich. Sie hießen alle entweder Heinrich oder Otto und werden Ottonen genannt. Heinrich I. (876 - 936, s. Abbildung) als den ersten deutschen Herrscher zu bezeichnen, ist  eine grobe Vereinfachung aber die Bedeutung seiner Regentschaft für die Entstehung des zentraleuropäischen deutschen Reiches wird von dem meisten Historikern akzeptiert. 

Zwar gaben die Ottonen die Herrschaft vom Vater auf den Sohn weiter, aber sie ließen sich zusätzlich von den wichtigsten Adeligen und Geistlichen zum König wählen. Diese seltsame Mixtur aus Erbfolge und Wahl des deutschen Königs blieb in den folgenden Jahrhunderten bestehen und verschob sich immer mehr zu Gunsten der Abstimmung. Weil sie sich als Nachfolger der römischen Herrscher verstanden, ließen sich die letzten vier Ottonen in Rom vom Papst zum Kaiser krönen, was nur nach erheblichen Anstrengungen und unter Gewaltanwendung gelang. Hier lagen schon zwei Geburtsfehler des deutschen Reiches: Während die französischen Könige im Laufe des Mittelalters eine weitgehend stabile Erbmonarchie etablieren konnten und auf den Kaisertitel verzichteten, mussten sich die deutschen Könige in einer Wahlmonarchie stets um die Gunst der wichtigsten Fürsten bemühen. Außerdem fehlten sie häufig nördlich der Alpen, weil sie im Ringen um den römischen Kaisertitel auf langen Italienzügen den jeweils amtierenden Papst umschmeicheln oder zwingen mussten. Notfalls setzten sie gewaltsam einen Kirchenführer ein, der gewillt war sie zu krönen. Den Ottonen folgten die Salier, aus deren Geschlecht zwischen 1024 und 1125 vier Könige regierten. Beim berühmten Investiturstreit darüber, ob der König Bischöfe oder gar den Papst einsetzen darf, unterlag Heinrich IV. und musste sich Papst Gregor VII. beim Gang nach Canossa (1077) unterwerfen. Mit dem Wormser Konkordat (1122) wurde das Recht des Papstes, Bischöfe, die ja an der Wahl des deutschen Königs beteiligt waren, einzusetzen und damit die Schwächung des weltlichen Herrschers, zementiert.  Bildungsblitz 

 
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