Der Kalte Krieg

Der Westen reagierte auf die Entwicklung in Osteuropa mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland (1949) und der NATO. Als im gleichen Jahr im Osten die Deutsche Demokratische Republik (DDR) und das Militärbündnis Warschauer Vertragsorganisation - die der Westen „Warschauer Pakt“ nannte - gegründet wurde, war endgültig der „Eiserne Vorhang“ geschmiedet, von dem Winston Churchill schon 1945 gesprochen hatte.

Die DDR trug die Demokratie im Namen, doch verwirklichte sie nicht. Die Parlamentarier der Volkskammer wurden von einer Einheitsliste gewählt, auf der oppositionelle Gruppen nicht zugelassen waren. Die Wahlen wurden als bürgerliche Pflichterfüllung zelebriert. Wer als notorischer Nichtwähler bis zum Mittag nicht im Wahllokal erschien, wurde durch die örtliche Wahlkommission abgeholt und persönlich „eingeladen“. Die bereitstehenden Wahlkabinen blieben oft ungenutzt, wer sie aufsuchte, wurde misstrauisch beäugt und notiert.
Das Machtzentrum der DDR war nicht ihr Parlament die Volkskammer, sondern die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands), deren Spitzenpersonal sich im so genannten Politbüro zusammenfand. Dessen Vorsitzender war der Generalsekretär des Zentralkomitees (ZK) der SED und seit 1960 zumeist als Vorsitzender des Staatsrates auch das Staatsoberhaupt. So hatten die DDR-Nachrichtensprecher einen ziemlich langen Titelbandwurm vorzutragen, wenn sie den wichtigsten DDR-Politiker ansprechen wollten - in den westlichen Medien wurde er kurz „Staats- und Parteichef“ genannt.

Walter Ulbricht (1893 - 1973), der die DDR von 1949 bis zu seiner Entmachtung 1971 führte, sah sich spätestens seit dem Aufstand vom 17. Juni 1953 mit einer zunehmenden Unzufriedenheit konfrontiert. An diesem Tag streikten in mehreren Städten der DDR Arbeiter, formierten Demonstrationszüge und besetzten öffentliche Gebäude. Die Revolte wurde mit Hilfe sowjetischer Panzer niedergekämpft, mehr als 50 Aufständische starben und im Anschluss wurden sieben Menschen zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Den Menschen in der DDR fehlten Konsumgüter und Wohnungen, weil in der Planwirtschaft zunächst vor allem die Schwerindustrie gefördert wurde. Der zunehmenden Flucht in den Westen bereitete 1961 der Bau eines „antikapitalistischen Schutzwalls“ aus Beton, Stacheldraht, Mienen und Wachtürmen ein jähes Ende, mit dem sich die DDR (und ganz Osteuropa) gegen den Westen abschottete. Diese Mauer machte es den Menschen weitgehend unmöglich, die Republik in Richtung Westen zu verlassen - und sei es nur für einen Verwandtschaftsbesuch.
Außer der fehlenden Reisefreiheit trugen auch die Aktivitäten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), des Geheimdienstes, dazu bei, dass sich viele Menschen in der DDR unfrei fühlten. Hunderttausende von Inoffiziellen Mitarbeitern bespitzelten im Auftrag des MfS ihr berufliches und privates Umfeld.
Der neue Generalsekretär des ZK und Staatschef der DDR Erich Honecker (1912 - 1994) kurbelte in den siebziger und achtziger Jahren den Wohnungsbau und die Konsumgüterproduktion erheblich an - was wiederum nur zu Lasten der Industrieproduktion gelang. Letztlich schafften es die Führungskader nicht, die Zufriedenheit der Bürger auf ein Niveau zu führen, dass den Staat tragen konnte und der DDR ein längerfristiges Überleben ermöglicht hätte.

Die Welt der zwei ideologischen Blöcke erstarrte derweilen im Kalten Krieg. Die Staaten des Warschauer Paktes unter Führung der Sowjetunion und die von den Amerikanern dominierte NATO hatten sich durch Atom- und später Wasserstoffbomben so hochgerüstet, dass sie die gesamte Erde für Jahrtausende hätten unbewohnbar machen können. Die jeweiligen Anführer vermieden eine direkte Konfrontation, die die Bevölkerung beider Seiten ausradiert hätte. Stattdessen führten sie blutige Stellvertreterkriege, mit denen sie ihre Einflusssphären sichern wollten: In Vietnam scheiterten die Amerikaner in dem zehnjährigen Versuch, den kommunistischen Norden aus Südvietnam zu vertreiben. Nebenbei etablierten sie unbeabsichtigt im benachbarten Kambodscha das Todesregime der Khmer Rouge (Roten Khmer), das es an Vernichtungsallmacht mit den deutschen Nationalsozialisten aufnehmen konnte.
Als die Sowjetunion 1980 Afghanistan besetzte, wollte sie damit auch ihren Machtbereich nach Süden hin ausdehnen. Nachdem sie - wie zuvor die Amerikaner in Indochina - zehn Jahre brutal und erfolglos gekämpft hatte, zog sich die Rote Armee gedemütigt zurück und hinterließ ein Machtvakuum, das bald zur Herrschaft der Taliban führte. Bildungsblitz 

 
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