Der Weg in die Weltkriege

In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts schien Deutschland auf dem Weg, doch noch eine akzeptierte Mittelmacht zu werden. Dem jungen Kaiser indes reichte das nicht. Zunächst entließ er Kanzler Bismarck (1890), der Kolonien zunächst abgelehnt, schließlich aber doch zugelassen hatte. Mit Bismarcks Abgang löste sich das von ihm geflochtene Bündnissystem bald auf.
Frankreich war wegen der deutschen Besetzung des Elsasses nicht versöhnt, und England verstand, dass ihm Wilhelm II. mit seiner Kriegsflottenhochrüstung - 1913 sollte Deutschland 33 Schlachtschiffe mit 64.000 Mann Besatzung besitzen - den Platz als erste Seemacht streitig machen wollte. Russland hatte sich schon 1890 Frankreich zugeneigt, weil Deutschland direkt nach Bismarcks Rücktritt den Rückversicherungsvertrag nicht verlängert hatte.

So stand Deutschland 1914 einer gewaltigen Koalition gegenüber und der Freudentaumel, den der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zumindest in Teilen der deutschen Gesellschaft auslöste, erscheint dem Betrachter heute als ein kollektiver Größenwahn.
Der Kriegsbeginn wird oft als Kettenreaktion beschrieben und er zeigt tatsächlich die Gefahr komplexer militärischer Bündnisse: Deutschland war mit Österreich verbündet und dessen Thronfolger Franz Ferdinand wurde im Juni 1914 in Sarajewo von einem serbischen Terroristen erschossen. Mit vollem Einverständnis des deutschen Kaisers forderte Österreich daraufhin ultimativ Ermittlungen mit eigenen Beamten in Serbien zuzulassen. Dessen Regierung machte zwar Zugeständnisse, wies das aggressiv gehaltene Ultimatum aber zurück. Daraufhin erklärte Österreich Serbien den Krieg. Russland, mit Serbien verbündet, mobilisierte seine Truppen. Als Antwort erklärte Deutschland am 1. August 1914 Russland und zwei Tage später auch Frankreich den Krieg, denn die Franzosen hatten zuvor auf die deutsche Forderung, Neutralität zuzusichern, nicht reagiert.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass sich die deutsche Regierung eines drohenden Krieges mit Russland bewusst war, als es die österreichischen Diplomaten zu einem scharfen Vorgehen gegen Serbien ermunterte. So zog Deutschland sehenden Auges aus einer begrenzten Krise in eine große Völkerschlacht. 

 
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