Die Revolution in Deutschland scheitert

In der Mitte des Jahrhunderts hatten sich dann die inneren und äußeren Umstände zu einem revolutionären Sprengstoff verdichtet: Unter dem Druck staatlicher Repression mussten die Menschen neben Missernten die Folgen der beginnenden Industrialisierung ertragen. Dazu gehörten überlange Arbeitszeiten für Männer, Frauen und Kinder, schlechte Wohnverhältnisse und das neue Phänomen der Arbeitslosigkeit. In Frankreich wurde 1848 der König nach England vertrieben und die revolutionäre Stimmung schwappte über den Rhein nach Deutschland. In Berlin kam es zu Straßenkämpfen und tatsächlich wurde ein Parlament gewählt, das von Mai 1848 bis zum Mai 1849 in der Frankfurter Paulskirche tagte. Dem seit 1840 regierenden preußischen König Friedrich Wilhelm IV. trugen die Parlamentarier an, Kaiser eines deutschen Reiches mit freien Wahlen und gesetzgebendem Parlament zu werden. Der Monarch wäre Herr über das Militär und äußerer Repräsentant des Staates geblieben und hätte im Parlament Gesetzte anregen und sein Veto einlegen können. Doch der König lehnte ab, weil er sich von Gott und nicht vom Parlament eingesetzt sah. Familie Hohenzollern, das preußische Königshaus, hatte nach kurzer Frist zum zweiten Mal die Chance auf einen modernen Staat mit einer parlamentarisch-demokratischen Monarchie verspielt - es sollte nicht die letzte bleiben.
Weil die deutschen Fürsten das Paulskirchenparlament ignorierten und die Abgeordneten - es waren vor allem Akademiker - weder einen Kaiser noch die Umrisse eines neuen Deutschlands vorlegen konnten, blieb der Rückhalt in der Bevölkerung gering. 1849 löste es sich auf und bürgerliche Erhebungen in Westdeutschland wurden mit Hilfe preußischer Soldaten beendet. Auch in Österreich war ein Volksaufstand letztlich niedergeschlagen worden. Die deutsche Revolution war gescheitert.

 
Hier einloggen oder registrieren, um einen Kommentar zu verfassen.