Die Tragödie der südamerikanischen Hochkulturen

Atahualpa wird gefangengenommen (Stich von Pierre Duflos, entstanden zwischen 1760 und 1810). Quelle: wikipedia.org/wiki/Atahualpa, User: Dynamax

Als der Spanier Hernán Cortés (1485 - 1547) im Jahre 1519 nahe des heutigen Veracruzs an der Ostküste Mexikos landete, traf er auf das etwa 300 Jahre alte Aztekenreich. Mit Hilfe ihrer Verbündeten beherrschten die Azteken ein riesiges Territorium, das über Mexiko hinaus bis in das heutige Guatemala reichte. Die Hauptstadt Tenochtitláns (die später zu Mexiko-Stadt wurde), mit damals etwa einhunderttausend Einwohnern eine der größten Städte der Welt, verfügte über ein Aquädukt, Paläste und gewaltige Tempelanlagen. Über das rechtwinklige Straßennetz bewegten sich keine Fuhrwerke, denn das Rad brachten erst die Europäer auf den amerikanischen Kontinent. Mit vielen unterworfenen und tributpflichtigen Stämmen war das Aztekenreich überdehnt und auf einen militärischen Angriff nicht vorbereitet. Nachdem er sich geschickt mit Ihren Gegnern verbündet hatte, gelang es Cortez, die Azteken blutig zu unterwerfen.

Nicht besser erging es den Inka. Ihre Hochkultur begann im 13. Jahrhundert, erstreckte sich zuletzt über 4000 Kilometer entlang der südamerikanischen Pazifikküste und hatte ihr Zentrum in Cuzco im heutigen Peru. Im Hochland der Anden schufen die Inka-Völker Städte mit gewaltigen Granitbauwerken. Straßen mit Tunneln und Brücken durchzogen das riesige Territorium. Während den Inkas Eisen und Stahl unbekannt waren, schufen sie auf hohem handwerklichem Niveau aus Gold, Silber und Bronze Schmuck, Werkzeuge und Waffen.
Auch die Inka wurden von den Spaniern in einem Moment politischer Instabilität überrascht. Francisco Pizarro, der 1532 mit weniger als 200 Männern von der Küste aus in die peruanischen Anden marschiert war, konnte sich zudem auf die überlegene Feuerwaffentechnologie verlassen. Er lockte die von Pocken und Masern geschwächten Ureinwohner in einen Hinterhalt und massakrierte neben tausenden Kämpfern auch ihre Generäle und Adeligen. Als sich der Inka-Herrscher Atahualpa mit tausenden Tonnen Edelmetalls freikaufen wollte, nahmen die Spanier Gold und Silber, zwangen den Inka sich taufen zu lassen und richteten ihn hin.

Während die Inka einen Kalender und weitgehende mathematische Kenntnisse besaßen, fehlte ihnen und den Azteken ein leistungsfähiges Schriftsystem mit dem sich beispielsweise historische Texte verfassen ließen. Als einziges südamerikanisches Volk entwickelten die Maya eine Schrift aus bildhaften Symbolen und Silbenzeichen.
Die Geschichte der Maya beginnt 3000 v. Chr. in Mittelamerika. Sie siedelten auf dem Gebiet des heutigen Honduras, in Guatemala, Belize und im Südosten Mexikos. In ihrer Blütezeit von 600 bis 900 n. Chr. wurde die Maya-Zivilisation von einer Reihe urbaner Zentren auf der Yucatán-Halbinsel am Golf von Mexiko getragen, in denen sie fensterlose Paläste und Pyramiden, die als Opferstätten dienten, errichteten. Den Maya-Bauten fehlten - wie auch der Inka- und Azteken-Architektur - Gewölbedecken und Bögen. Die mittelamerikanischen Baumeister verfügten aber über einen formbaren kalkhaltigen Baustoff, den sie wie Beton für eine Schalenbauweise nutzten.
Der Maya-Kalender, ein komplexes Zählsystem für den exakte astronomische Beobachtungen und eine fortentwickelte Mathematik notwendig waren, begründet zusammen mit ihrer Schrift den Ruf der Maya als am weitesten entwickelte Kultur des vorkolumbischen Amerikas. Weil die Spanier in den Schriftstücken nicht-christlich religiöse Inhalte vermuteten, verbrannten sie fast alle Maya-Bücher. Wegen dieser europäischen Barbarei überdauerte ihr Zeichensystem nur in Tempelinschriften und vier verbliebenen Schriftstücken.
Zum Verfall ihrer Kultur ab 900 n. Chr. trugen wohl vor allem Dürreperioden und die den schwachen Böden unangemessene Bevölkerungsentwicklung bei. Jedenfalls wurden viele Städte verlassen und die Maya gerieten unter den Einfluss von Völkern aus dem mexikanischen Hochland. Die Spanier eroberten das Maya-Gebiet dann weniger stringent als sie zuvor die Inka und die Azteken unterworfen hatten: 1517 landete Francisco Hernan de Cordoba auf Yucatán, doch erst 1697 wurde mit Tayasal in Guatemala die letzte Maya-Stadt erobert.
In ihrem alten Siedlungsgebiet leben heute über sechs Millionen Nachkommen dieser mittelamerikanischen Hochkultur. Das durch missionarischen Eifer aufgezwungene Christentum hat sich mit der Maya-Tradition zu einer eigenständigen Religion vermischt.

1492 war der Italo-Portugiese Christoph Kolumbus, beim Versuch für die spanische Königin Isabella I. einen neuen Seeweg nach Indien zu finden, auf einer Insel der Bahamas (östlich einer Verbindungslinie von Florida und Kuba) gelandet. Ohne es zeitlebens zu begreifen, hatte er den amerikanischen Doppelkontinent für die ihm folgenden europäischen Siedler entdeckt.
In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts haben dann die Conquistadores (Eroberer) den Herrschaftsbereich Karl V. (1500 - 1558) gewaltig erweitert. Er war König von Spanien und zugleich Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Während er sein europäisches Reich von den Osmanen und der Reformation Martin Luthers bedroht sah, konnte er sich nach der transatlantischen Landnahme als Herrscher über ein Territorium rühmen, “in dem die Sonne nie untergeht“. Erst nach den Unabhängigkeitskriegen (1809 - 1825) schafften es die südamerikanischen Völker, sich von der spanischen Kolonialmacht zu befreien, die den Kontinent in Sprache und Kultur längst unwiederbringlich überformt hatte. Bildungsblitz 

 
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