Absolutismus, Aufklärung und Revolution

Der Politiker des Barock ist Ludwig XIV., Louis-quatorze (1643 - 1715) König von Frankreich und absolutistischer Herrscher: Südwestlich von Paris ließ er das gewaltige Barockschloss Versailles errichten. Hier umgab sich der 1643 gekrönte Sonnenkönig mit dem französischen Adel, den er fest in das höfische Leben und die gut funktionierende zentralistische Verwaltung des Staates einband. Damit verhinderte er die Emanzipation selbstbewusster regionaler Fürsten. Versailles wurde so zum Zentrum des französischen Staates. Ludwig baute die Verkehrsinfrastruktur aus und verbesserte die Einnahmen, in dem er billige Rohstoffe aus den Kolonien einführte, um sie als höherwertige verarbeitete Produkte zu verkaufen. Zusammen mit hohen Einfuhrzöllen wurde dieses Konzept Teil einer als Merkantilismus bezeichneten Wirtschaftsstrategie. Unter Ludwig hatte Frankreich militärisch und auch kulturell die Vorherrschaft auf dem europäischen Kontinent erlangt. Es wundert daher nicht, dass einige Jahrzehnte nach seinem Tod der neue geistige Wind der Aufklärung von Frankreich aus durch Europa wehte. Allerdings wird die Aufklärung in eine Welt geboren, die zuvor ein Engländer geordnet hatte:Isaac Newton (1642 - 1742) erklärt die Planetenbewegungen durch eine Kraft, die umso größer ist, je mehr Masse ein Objekt besitzt und die mit der Entfernung abnimmt. Da diese Gravitationskraft als Massenanziehungskraft auch wunderbar geeignet ist, das Verhalten der Dinge auf der Erde zu erklären, werden die Newtonschen Regeln bis heute zur Berechnung der allermeisten mechanischen Probleme benutzt. Auch wenn Albert Einstein (1879 - 1957) die Gravitation später völlig neu erklärte und die Quantenphysik aufdeckte, dass die Regeln der Mechanik bei den kleinsten Teilchen nicht mehr gültig sind, sollten Sie im täglichen Leben dieser, heute als klassisch bezeichneten, Physik vertrauen. (Der Impuls, den Sie bei einem Verkehrsunfall spüren, entspricht wirklich dem Produkt aus der Masse und der Geschwindigkeit Ihres Fahrzeuges.) Der Physiker Stephen Hawking (* 1942) nennt Newtons Philosophiae naturalis principia mathematica von 1687 das „wohl wichtigste von einem Einzelnen verfasste physikalische Werk“.
In einer so geordneten Welt konnten die Denker der Aufklärung Vernunft und Wissenschaft an die Stelle von Religion und Aberglauben setzen. 1751 begannen Denis Diderot und Jean d’Alembert die Encyclopédie zu veröffentlichen, ein vielbändiges Bildungswerk, das den Anspruch hatte, das damalige Weltwissen in einem Lexikon abzubilden. Da es als Appell an den aufgeklärten Menschen, sich selbst zu bilden gedacht war und als Gegenentwurf zur Bibel verstanden werden konnte, wundert es nicht, dass es vom Papst verdammt und verboten wurde. Auch weil Friedrich der Große die Encyclopédie unter seinen Schutz stellte, dürfen wir ihn zu den Mitstreitern der Aufklärung zählen. Zudem lud Friedrich den französischen Philosophen Voltaire (1694 - 1778) für einige Jahre an seinen preußischen Hof, der ein wichtiger Kritiker von Feudalismus, Absolutismus und der katholischen Kirche war. Jean Jacques Rousseau (1712 - 1778), ein weiterer Philosoph der Aufklärung, beginnt seine Gesellschaftstheorie mit der Überlegung, der Mensch sei von Natur aus gut, würde aber durch die Gesellschaft zum Egoismus gezwungen. Rousseau entwickelt die Idee vom Gemeinwillen, der gleichsam natürlicherweise dem Wohl des ganzen Volkes dient und dem sich der Einzelne freiwillig unterordnet. Dieser volonté générale liefert den theoretischen Sprengstoff der von der Aufklärung zur Französische Revolution führte und schließlich auch zur Rechtfertigung des Terrors genutzt wurde.

Will man die Herrschaft Ludwig XIV. als Triumph und höchsten Gipfel der europäischen Monarchie betrachten, so wird man die folgenden Ereignisse - nur 75 Jahre nach Ludwigs Tod - als ihren tiefsten Absturz ansehen. Gleichzeitig ist die Französische Revolution der wichtigste Umbruch der jüngeren Geschichte und der eigentliche Beginn der politischen Neuzeit. Der Krieg, den Ludwigs Urenkel Ludwig XV. in Nordamerika gegen England führte und verlor (der Siebenjährige Krieg, 1755-1763), hatte wesentlich zum finanziellen Ruin Frankreichs beigetragen. Unter seinem Enkel und Nachfolger Ludwig XVI. stiegen die Schulden weiter an. Fast 80 Prozent der Staatsausgaben entfielen auf Schuldentilgung und Militärausgaben. Auch wenn das üppige Leben am königlichen Hof nur etwa 6 Prozent des Haushaltes beanspruchte, empörte dieser Posten besonders, denn 1787 und 1788 war es in Frankreich zu Missernten und Hungersnöten gekommen. Als König Ludwig XVI. 1788 die Generalstände, ein nicht demokratisch gewähltes Parlament aus den drei Ständen (Vertreter der Kirche, des Adels und der Bürger), einberief, um den Staatsbankrot abzuwenden, liefen Geistliche und Adelige zum dritten Stand der Bürger über, die sich zur Nationalversammlung erklärten. Weil Ludwig merkte, dass ihm die politische Führung entglitt, zog er Truppen um Paris zusammen. Als Reaktion bewaffneten sich empörte und hungrige Bürger, stürmten am 14. Juli das Pariser Staatsgefängnis, die Bastille, und töten die Wachmannschaft. Die Revolution verbreitete sich über ganz Frankreich und die Bauern erstürmten Schlösser und Klöster und befreiten sich somit selbst aus den Fesseln des Feudalismus. 1791 wurde eine Verfassung beschlossen, welche die Privilegien der Adeligen aufhob und allen Bürgern Gleichheit vor dem Gesetz einräumte. Das Wahlrecht erhielten Männer die Steuern zahlten - die Frauen blieben politisch rechtlos. 1792 bedrohten preußisch-österreichische Truppen - also Vertreter der europäischen Monarchie - Frankreich und forderten die Unversehrtheit des Königs. Statt auf die Forderungen einzugehen, stürmte eine aufgestachelte Menschenmenge den Palast und tötete nicht nur die Wachen, sondern auch das Küchenpersonal. Der König, welcher die Verfassung zuvor widerstrebend anerkannt hatte, wurde verhaftet, wegen Hochverrats angeklagt und schließlich 1793 hingerichtet. 1792 wurde anstelle der Nationalversammlung der Nationalkonvent gewählt. Die Wahlen wurden durch den Straßenterror der Jacobiner, einer radikalen Vereinigung unter der Führung Maximilian de Robespierres (1758 - 1794) beeinflusst. Als im April 1794 der Nationalkonvent die Macht dem von Robespierre kontrollierten Wohlfahrtsausschuss übertrug, begann die Zeit des Jacobinischen Terrors. Die gerade errungenen Freiheitsrechte wurden wieder getilgt. Todesurteile aufgrund von Denunziation und Verdächtigungen schufen die angsterfüllte Atmosphäre des allgegenwärtigen Terrors, den Robespierre auch noch als Ausdruck der Tugend und der Demokratie pries. Überwiegend durch die Guillotine, das neu erfundene mechanische Fallbeil, wurden mehr als 30.000 Menschen ermordet. Erst als Robespierre und seine Anhänger im Sommer des Jahres 1794 durch das gleiche Werkzeug starben endete der Terror. 

 
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