Hoch- und Spätmittelalter

Dom zu Halberstadt, Bauzeit: 1260 - 1514. Quelle: Bildungsexplosion

Im 12. und im 13. Jahrhundert regierte im Heiligen Römischen Reich eine schwäbische Adelsfamilie, die es wie ihre Vorgänger nach Italien zog: die Staufer. 1138 wurde Konrad III. als erster Staufer zum römisch-deutschen König gewählt. Kaiser Friedrich I., den man erst nach seinem Tod Barbarossa (Rotbart) nannte, reiste sechsmal über die Alpen, während ihm in Deutschland Heinrich der Löwe aus der Familie der Welfen die Macht streitig machte. Zusammen mit den Königen von Frankreich und England (Richard Löwenherz) und einem riesigen Heer versuchte Barbarossa Jerusalem zurückzuerobern, welches Sultan Saladin 1187 eingenommen hatte. Dieser Kreuzzug, auf dem der Kaiser in einem Fluss in der heutigen Südtürkei ertrank, scheiterte ebenso wie letztlich die gesamte Kreuzzugsbewegung. Es gelang den deutschen, englischen und französischen Rittern auf insgesamt sieben bisweilen brutalen Kreuzzügen von 1096 bis 1270 Teile der Mittelmeerostküste zu erobern und damit - aus ihrer kruden Sicht - das Heilige Land für die Christenheit zurückzugewinnen. Doch schon im 14. Jahrhundert war die Region wieder in der Hand arabischer Herrscher.

Barbarossas äußerst gebildeter Enkel Kaiser Friedrich II. (1212 - 1250) sprach mehr italienisch als deutsch und regierte in Sizilien. Spätestens jetzt war der Anspruch der deutschen Kaiser über das gesamte Reich - von Süditalien bis zur Ostsee - zu regieren absurd geworden. Die Fürsten nördlich der Alpen regierten weitgehend unbeaufsichtigt von einer Zentralgewalt. So entstand ein Staatswesen aus selbstbewussten Ländern, das wir heute Föderalismus nennen.

Aus der Abhängigkeit vom Papsttum emanzipierten sich die deutschen Kaiser erst am Ende des Mittelalters. Sie verzichteten auf die Krönung durch den Papst und nannten sich erwählter Römischer Kaiser. Die Wahl des deutschen Königs erfolgte durch die sieben Kurfürsten, vier weltliche Herrscher und drei Bischöfe. Sie wurde durch die goldene Bulle (1356) konkret geregelt. Das Heilige Römische Reich blieb bis zu seinem Ende 1806 eine (Fürsten-)Wahlmonarchie. Bildungsblitz 

Wichtigste soziale Struktur und entscheidend für die gesellschaftliche Stellung und die Lebenswirklichkeit der Menschen im mittelalterlichen Europa war das Lehnswesen. Vom König über weltlichen und kirchlichen Fürsten bis hinab zum niedrigsten Bauern wurde Land vergeben, dass die Lehnsnehmer bewirtschaften oder weitervergeben konnten. Diese pyramidenartige hierarchische Struktur der Gesellschaft wird auch als Feudalismus bezeichnet. Das Land blieb dabei das Eigentum des Lehnsherren, die Lehnsbeziehung konnte aber teilweise über Generationen weitergegeben werden. Die Lehnsnehmer waren als Vasallen durch einen Lehnseid an ihren Herren gebunden und zum Kriegsdienst und weiteren Hilfsleistungen verpflichtet. Der Lehnsherr musste im Gegenzug militärischen Schutz spenden. Auf der untersten Ebene erhielten die eigentlichen landwirtschaftlichen Arbeitskräfte als hörige Bauern Lehn oder blieben als Leibeigene völlig unfrei. Letztere waren weitgehender Willkür ihrer Herren ausgesetzt. Bildungsblitz 

Nach dem Tod des letzten staufischen Königs und Kaisers Friedrich II. 1250 verfiel die königliche Macht zunehmend. Die Fürsten teilten die territoriale Macht unter sich auf. Ritter verkamen zu Raubrittern. In diesen ungeordneten Verhältnissen emanzipierten sich die Städte und bildeten Bündnisse, von denen der wichtigste die norddeutsche Hanse war.
Ab dem 14. Jahrhundert gelang es dann den Häusern Wittelsbach, Luxemburg und Habsburg Regenten zu inthronisieren. Die Familie der Habsburger stammt aus der Region zwischen dem Elsass und der Schweiz. Sie stellten ab 1438, mit einer kurzen Unterbrechung, bis zum Ende des Deutschen Reiches 1806 den König.

So bildeten in der Geschichte des Reiches vier Familien - die Historiker nennen sie oft „Geschlechter“ oder „Häuser“ - Dynastien, welche längere Zeit die königlich-kaiserliche Macht behalten konnten: die Ottonen, die Salier, die Staufer und die Habsburger. In die lange Regierungszeit der Habsburger fällt auch die Reformation, welche für Historiker eine wichtige Landmarke in der Geschichte ist. Neben der Entdeckung des amerikanischen Kontinents steht Luthers Glaubensrevolte für den Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit. Bildungsblitz 

 
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