Ägypten und China, die Multimillenniumreiche an Nil und Gelbem Fluss

Nofrete, Hauptgemahlin des Königs Echnaton, 14. Jahrhundert v. Chr.; Büste im Neuen Museum in Berlin

Etwa zeitgleich mit den Sumerern brachte die ägyptische Kultur mit den Hieroglyphen ein ganz andersartiges Schriftsystem aus Bildern und Zeichen hervor. Während der 2700-jährigen Geschichte des alten Ägyptens, die in ein Altes, ein Mittleres und eine Neues Reich und dazu noch in Früh-, Zwischen- und Spätzeiten unterteilt wird, wurden diese Schriftzeichen verwendet. Von etwa 3032 bis 332 v. Chr. bestimmten 30 aufeinanderfolgende Dynastien, also Pharaonenfamilien, über die Geschicke der Menschen am Nil.
Das Flusshochwasser überschwemmte die maximal 20 Kilometer breite Uferzone und ließ alljährlich nährstoffreiche Sedimente zurück. Die technisch aufwendige Verteilung und Speicherung des Wassers sowie die Vorratshaltung landwirtschaftlicher Güter, ließ eine arbeitsteilige und hierarchisch strukturierte Gesellschaft entstehen. An ihrer Spitze stand der gottgleiche Pharao. Er und sein Verwaltungsapparat verfügten über die landwirtschaftlichen Flächen und deren Erträge. Die Bauern wurden als Gegenleistung in einer Art monarchischem Sozialismus mit Grundnahrungsmitteln und einfachen Konsumgütern versorgt.
Die schon 2600 v. Chr. (4. Dynastie, Altes Reich) errichtete Cheops-Pyramide ist genauso Ausdruck des offenbar weite Teile des Lebens bestimmenden Jenseitskultes, wie die im Wesentlichen durch Wasserentzug bewerkstelligte aufwendige Mumifizierung der Leichen. Dieses letzte Privileg wurde freilich fast ausschließlich höchststehenden Personen, also neben dem Pharao dessen Schreibern und anderen wichtigen Beamten, zuteil.
Die Ägypter erfanden den Papyrus (hergestellt aus den Pflanzenstängeln der Papyrusstaude, Cyperus papyrus) als industriemäßig hergestelltes Schreibmaterial und lieferten auch dadurch einen kaum zu unterschätzenden Beitrag zur Entwicklung der Zivilisation.
Auch wenn den Ägyptern Um- und Zusammenbrüche nicht erspart blieben, sticht die alte Nil-Kultur, zusammen mit dem chinesischen Kaiserreich, aus den historischen Großreichen mit ihrer fast einzigartigen Stabilität und Dauerhaftigkeit hervor. Bildungsblitz

Am Gelben Fluss (Huanghe), etwa 600 Kilometer südwestlich der heutigen chinesischen Hauptstadt Peking, erstreckte sich seit etwa 1600 v. Chr. das Reich der Shang-Dynastie. Auch wenn die Vorläuferkulturen, etwa die Xia-Dynastie (wahrscheinlich 21. - 16. Jahrhundert v. Chr.), archäologisch noch unsicher belegt sind, entstand die Shang-Dynastie keineswegs aus dem Nichts. Vielmehr wurde China bereits seit der Altsteinzeit durch Homo erectus und später durch Homo sapiens besiedelt. Um 8000 v. Chr. wurden am Huanghe aus rotem Ton Keramikgefäße hergestellt und spätestes 5000 v. Chr. begannen die Menschen hier Reis zu kultivieren. In der Shang-Periode (16. - 11. Jahrhundert v. Chr.) wurde Bronze legiert und Seide verarbeitet. Auf Orakelknochen aus dieser Zeit findet sich ein weit entwickeltes Schriftzeichen-System, dessen Wurzeln wahrscheinlich aus der Xia-Dynastie stammen. 

Den Xia und Shang folgte ab dem 11. Jahrhundert v. Chr. die Zhou-Dynastie, in welcher die chinesische Schrift im Wesentlichen zu ihrer heutigen Form heranreifte. Konfuzius (551- 479 v. Chr.) entwickelte seine philosophische Tugendlehre, in der er die Menschen zu Anstand und Humanität, aber auch zur Loyalität gegenüber den Eltern und dem Herrscher verpflichtete.
221 v. Chr. beendete der Qin-König Zheng die Zhou-Dynastie und nannte sich Qin Shihuangdi. Huangdi kann mit erhabener Gott übersetzt werden und entspricht etwa dem späteren europäischen Kaisertitel. So begann mit Qin Shihuangdi das etwa 2000 Jahre währende chinesische Kaiserreich. Eine Blütezeit stellte die Ming-Dynastie von 1368 - 1644 dar, die im Westen vor allem für ihre Keramik - z.B. Porzellan im Blau-Weiß-Stil - bekannt ist. Die Ming-Kaiser ließen die Große Mauer erneuern und auf ihre heutige Länge ausbauen. Chinesische Seeleute wagten sich aber auch außerhalb der Grenzen des Reiches hervor und erkundeten im 14. und 15. Jahrhundert den indischen Ozean und den Pazifik.
Zwischen 1839 und 1860 unterlag China Frankreich und Großbritannien in den beiden Opiumkriegen. Nach der Niederlage gegen Japan im Krieg von 1895 und dem immer brutaleren Einfluss der Europäer verlor die kaiserliche Herrschaft völlig an Kraft. Revolution und Bürgerkrieg machten China zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Republik.
In den zwanziger Jahren gelang es dem nationalistischen General Chiang Kai-shek Chinas Einheit wiederherzustellen. 1949 musste er sich dem Kommunisten Mao Zedong geschlagen geben und mit seinen Soldaten auf die Insel Taiwan fliehen. Mao, dessen Herrschaft Millionen Menschen das Leben kostete, gründete die kommunistische Volksrepublik China, die heute zu einer wirtschaftlichen und militärischen Großmacht geworden ist.

 
Hier einloggen oder registrieren, um einen Kommentar zu verfassen.