Preußen

Schloss Rheinsberg (100 km nordwestlich von Berlin). 1736 -1740 Wohnort des Kronprinzen Friedrichs, des späteren Königs Friedrich II. Quelle: Bildungsexplosion

Die Geschichte Preußens geht auf das Zusammentreffen der Pruzzen oder Prußen, eines Stammes mit eigener Sprache, die schon seit der Bronzezeit östlich der Memel im heutigen Baltikum siedelten und dem Deutschen Orden zurück. Dieser christliche Ritterorden war auf den Kreuzzügen gegründet worden und wurde 1226 vom polnischen Herzog Konrad I. gerufen, um die Pruzzen zu christianisieren, wobei sie mit äußerster Brutalität vorgingen. Die Ritter begründeten im Laufe der folgenden 200 Jahre zahlreiche Siedlungen und schließlich einen eigenen modernen Staat der Mitglied der Hanse wurde. Westlich der Oder war die Mark Brandenburg schon 1157 durch Markgraf Albrecht von den dort siedelnden Slawen erobert worden und kam so zum Heiligen Römischen Reich.

1657 gelang es dem brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620 - 1688) durch Verhandlungen mit Polen das Herzogtum Preußen auf Gebiet des Ordensstaates, also außerhalb des Heiligen Römischen Reiches, seinem Territorium zuzuschlagen. (Die Polen hatten den Ritterorden zuvor militärisch besiegt und ihn unter ihre Lehnsherrschaft genommen.) Der Name Preußen wurde nun auch auf Brandenburg übertragen. Das Datum des Vertrages von Wehlau vom 19. September 1657 kann daher als die Geburtsstunde des preußischen Staates angesehen werden. Friedrich Wilhelm war mit einem Sieg über Schweden auch militärisch erfolgreich und wurde später Großer Kurfürst genannt. Mit der Aufnahme von 20.000 französischen Protestanten, den Hugenotten, führte er seinem Land, das noch unter dem Bevölkerungsverlust des dreißigjährigen Krieges litt, gut ausgebildete Arbeitskräfte als neue Mitbürger zu. Auch wohlhabende jüdische Familien durften sich ansiedeln. War die kaiserliche Autorität schon durch den Dreißigjährigen Krieg erheblich geschwächt worden, so war nun endgültig eine Polarisierung des Reiches mit den Habsburgern im Süden und Preußen im Nordosten entstanden. Letzteres sollte seine Machtsphäre in den folgenden 130 Jahren immer weiter ausbauen. Friedrich Wilhelm gehörte zu den eigentlich aus Süddeutschland stammenden Hohenzollern. Sie bildeten eine Dynastie, die nun bis zum Ende des Ersten Weltkrieges preußische Könige und deutsche Kaiser stellen sollten. Friedrich Wilhelms Sohn Friedrich I. (1688 - 1713) nannte sich mit Erlaubnis des Kaisers „König in Preußen“ und unter seiner Regierung setzte sich der Name Königreich Preußen durch. Dem nächsten Hohenzollern, dem „Soldatenkönig“ Friederich Wilhelm I. folgte 1740 sein Sohn Friedrich II. (1712 - 1786), der nach dem erfolgreichen siebenjährigen Krieg um Schlesien und Sachsen Friedrich der Große genannt wurde.

Das historische Prädikat eines modernen Staatsmannes erhielt Friedrich aber nicht wegen der militärischen Erfolge, sondern wegen seiner Reformbemühungen im Inneren Preußens.  Neben der Wirtschaft betrafen sie mit der allgemeinen Schulpflicht die Bildung und mit der weitgehenden Abschaffung der Folter, sowie einer rechtlichen Gleichstellung aller Untertanen, die Justiz. Mit dem Zitat vom „ersten Diener meines Staates“ zeigte Friedrich ein neues Herrschaftsverständnis. Klammert man Friedrichs kriegerische Seite aus, so darf man seine Politik als Hinwendung zu einer neuen Geisteshaltung verstehen, die aus Frankreich nach Deutschland strahlte: Die Aufklärung.

Bevor wir uns mit dieser geistigen Befreiungsbewegung beschäftigen, legt Bildungsexplosion noch zwei wichtige Kapitel vor Ihnen aus:  Zunächst verfolgen wir die kulturelle Entwicklung, die Europa zur Aufklärung führte. Anschließend werden Sie Ihren Horizont auch geografisch erweitern, indem Sie einen Blick auf die britische Insel und über den Atlantik werfen.

 
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