Vom Ende der Riesenechsen zur Steinzeit des Menschen

Künstlerische Darstellung eines Meteoriteneinschlages. Quelle: NASA

Kehren wir nach dieser Übersicht noch einmal zu den letzten Tagen der Dinosaurier zurück. Der Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren verursachte wahrscheinlich durch eine Staubwolke Klimaveränderungen, mit denen die Säugetiere, von denen kleinere Exemplare wohl schon im späten Trias (251 - 200 Millionen Jahre vor heute) den Planeten belebten, besser zurechtkamen, als die wechselwarmen großen Reptilien. Während sich nach dem Impact die überlebenden Kriechtiere auf dem Lande mit der zweiten Geige bescheiden mussten, wurde eine ihrer evolutionären Weiterentwicklungen zur Erfolgsgeschichte:
 Die Vögel (Aves) eroberten den Luftraum. Die Evolution formte ihre Vorderextremitäten zu Flügeln um und stattete sie mit einem Gefieder, luftgefüllten leichten Knochen und teilweise mit sehr leistungsfähigen Gehirnen aus. Die kognitiven Leistungen der Rabenvögel wie Krähe, Elster oder Rabe spielen in einer Liga mit den intelligentesten Säugetierarten.

Dennoch mussten die Vögel aus der nach ihnen benannten Perspektive mitansehen, wie die Säugetiere alle ehemaligen ökologischen Nischen ihrer Verwandten, der Dinosaurier, besetzten. Als im Paläogen vor etwa 33 Millionen Jahren das aktuelle Eiszeitalter begann, vereisten neben der Antarktis auch im Nordpolarmeer große Wassermassen. Der Meeresspiegel sank, und als Schelfmeere (die flacheren Ozeanränder) trocken fielen, übte dies einen erheblichen evolutionären Druck auf die Biosysteme aus. So dürften klimatische Veränderungen erheblich zur Differenzierung und zum Erfolg der Säugetiere beigetragen haben. Als Wiederkäuer (z.B. Giraffen, Hirsche, Ziegen und Rinder) mit mehrteiligem Magen gelang es ihnen, Zellulose zu verdauen und so einen größeren Anteil der Biomasse als Nahrungsquelle zu nutzen. Bei den Raubtieren (Carnivora) orientierte sich die Superfamilie der Hundeartigen (Canoidea, Wölfe, Bären, Marder und Robben) mehr in die kälteren Regionen, während die Superfamilie der Katzenartigen (Feloidae, z.B. Löwe, Tiger und Leoparden aber auch Hyänen) sich stärker in den wärmeren Lebensräumen ausbreitete. Die Vorfahren von Walen und Delfinen verließen das Land und kehrten in die Ozeane zurück.
Einige Säugetiere entwickelten ihre Vorderläufe zu geschickten Greif- und Kletterorganen weiter: die Primaten, zu denen auch die Affen (Anthropoidae) gehören.

Schon in der Antike wurde versucht, dem Tier- und Pflanzenreich eine namensgebende Ordnung überzustülpen. Die heute gebräuchliche biologische Systematik geht auf den schwedischen Forscher Carl von Linné (1707 - 1778) zurück. Als im 19. Jahrhundert die Evolutionstheorie und nach dem zweiten Weltkrieg die Molekulargenetik das biologische Denken revolutionierten, wurde dieses Ordnungssystem (Taxonomie) erheblich überarbeitet. Dabei streiten die Wissenschaftler bis heute über die genaue Abgrenzung der Ordnungseinheiten (Taxa) wie Gattung, Familie, Ordnung, Klasse oder Reich  Bildungsblitz . Im Kapitel Systematik der Pflanzen haben wir versucht, ein kompakte Ordnug in das Reich der Pflanzen zu bringen.

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Lediglich der Begriff der Art ist in der Zoologie vergleichsweise klar und nachvollziehbar definiert: Organismen, die untereinander fortpflanzungsfähige Nachkommen zeugen können, bilden eine Art. Diese Definition spiegelt sich in dem zweiteiligen Namen wieder, den jede bekannte Tier- und Pflanzenspezies erhalten hat. Panthera leo, der Löwe und Panthera tigris, der Tiger sind nahe Verwandte und gehören beide zur Gattung Panthera, den eigentlichen Großkatzen. Haben Löwe und Tiger - was natürlicherweise nicht vorkommt - gemeinsame Nachkommen bleiben diese steril. Darum haben sie eigene Nachnamen oder Beiwörter (leo bzw. tigris), die ihre jeweilige Art bezeichnen. Bildungsblitz 

Der letzte gemeinsame Vorfahre der Menschen und der übrigen Menschenaffen (Hominiden Orang-Utan, Gorilla und Schimpansen) lebte vor etwa sechs bis acht Millionen Jahren. Die aus ihnen hervorgehenden Vormenschen, mit den Arten Australopitecus afarensis und Australopitecus africanus, erfanden den aufrechten Gang und begannen vorüber zweieinhalb Millionen Jahren mit der Steinbearbeitung zu experimentieren. Sie waren klein, dicht behaart und sprachen nicht. Die sich zeitlich überlappend anschließenden Frühmenschen brachten die durch Skelettreste gut dokumentierten Arten Homo habilis und Homo erectus hervor. Die Vertreter von Homo habilis blieben wie ihre Vorfahren in Afrika und kommunizierten wohl über sprachähnliche Laute. Homo erectus (vor 2 Millionen bis etwa 200.000 Jahren) siedelte dagegen in Afrika, Europa und Südostasien. Paläoanthropologen vermuten, dass Homo erectus -Frauen und -Männer sprechen konnten, und so Jagd und soziales Leben koordinierten. Die Angehörigen, der bis 180 cm großen Art, erlerntenden Umgang mit dem Feuer und gelten als direkte Vorfahren sowohl des Neandertalers als auch des Jetztmenschen. Die ältesten Skelettfossilien der einzigen überlebenden Menschenart Homo sapiens (lateinisch „der weise Mensch“) sind fast 200.000 Jahre alt und stammen aus Afrika.

 Das Siedlungsgebiet des Neandertalers (Homo neanderthalensis) erstreckte sich von der iberischen Halbinsel bis an das Kaspische Meer und die östliche Mittelmeerküste, wobei die ältesten Funde mindestens 160.000 Jahre alt sind. Neandertaler besaßen ein ähnlich großes Gehirn wie Homo sapiens, sprachen wahrscheinlich und bestatteten teilweise ihre Toten. Über etwa 100.000 Jahre haben wir Jetztmenschen mit den Neandertalern in sich überschneidenden Ausbreitungsräumen gelebt. Im Dunkeln bleibt, wie stark sich die beiden Geschwisterarten miteinander genetisch vermengten und weshalb die körperlich robusteren Neandertaler vor etwa 30.000 Jahren ausstarben. Bildungsblitz

Die Steinzeit lässt sich als den Abschnitt der Menschheitsgeschichte definieren, in dem Früh- und Jetztmenschen (also Homo habilis, H. erectus, H. neandertaliensis, H. sapiens und andere Homo-Arten) Werkzeuge aus Materialien wie Stein, Holz und Knochen aber noch kein Metall verwendeten.
Dieser längste Abschnitt der Menscheitsgeschichte wird äußerst asymmetrisch unterteilt: Die Altsteinzeit, das Paläolithikum beginnt vor 2,5 Millionen Jahren in Afrika und endet vor 11.000 Jahren. Mittel- und Jungsteinzeit teilen sich die wenigen verbleibenden Jahrtausende, bis die Menschen vor 8000 bis 6000 Jahren in der Kupfersteinzeit, dem Chalkolithikum, begannen, Metall zu verarbeiten. Steinzeitliche Abschnitte werden oft nach den Orten bezeichnet, von denen ihre wichtigsten Fundstücke stammen. So leitet sich die Oldowan-Zeit (vor 2,5 bis 1,5 Millionen Jahren), aus der die ersten Steinwerkzeuge stammen, von der Olduvai-Schlucht in Tansania ab. In der Altsteinzeit erfand Homo erectus den Faustkeil, der über 1,4 Millionen Jahre eines der wichtigsten Werkzeuge des Menschen bleiben sollte (die Geschichte des Schraubendrehers währt gerade einmal 300 Jahre). Die tropfenförmigen steinernen Faustkeile bestehen meist aus Vulkanit oder Quarzit, also einer Form von Siliziumdioxid, SiO2. Der Faustkeil wurde zwar auch als Waffe, vor allem aber als Universalwerkzeug zum Zerlegen und Schaben benutzt. Wahrscheinlich begannen die Menschen erst vor etwa 200.000 Jahren Klingen und Messer aus Feuerstein herzustellen und sie mit organischen Materialien wie Holz oder Knochen zu funktionelleren Werkzeugen zu verbinden. Hatte Homo erectus Europa und Asien erobert, blieb es dem Jetztmenschen H. sapiens überlassen, vor mehr als 50.000 Jahren auf dem Seewege Australien und schließlich vor spätestens 13.000 Jahren, über die damals trockene Beringstraße, Amerika zu betreten.

Das Paläolithikum war ganz überwiegend der Zeitraum des Jagens und Sammelns, in dem für geistiges Schaffen und geistliche Phantasien wenig Zeit blieb. In seinem letzten Abschnitt, dem Jungpaläolithikum, begann der Neandertalervor etwa 120.000 Jahren Bestattungsrituale zu zelebrieren. Verbesserte Lebensumstände und die neu erfundene Freizeit, gestatteten es Homo sapiens vor 32.000 Jahren, Höhlen zu bemalen sowie Musikinstrumente, Schmuck und kultische Gegenstände, wie etwa üppige Venusfiguren, herzustellen. Venusfigur: nach Venus, der römischen Göttin der Liebe und Tizians „Venus von Urbio“, einer nackten Darstellung dieser Göttin von 1538, tauften etwas verklemmte Paläoanthropologen des 19. Jahrhunderts die Elfenbeinschnitzereien (z.B. Venus vom Hohlefels, mehr als 30.000 Jahre alt) oder Steinskulpturen (z.B. Venus von Willendorf, 27.000 Jahre alt) mit überproportional großen Geschlechtsorganen Venusfiguren. Frühestens hier entwickelt sich die Kunst. Ihr ist mit ihrem Geschwister, dem Sport, gemein, zunächst nichts fassbar Nützliches hervorzubringen. Für die Gesellschaft sind beide letztlich genauso wichtig geworden, wie die produzierende Arbeit.
Auch die Bildungsexplosion versucht sich an einer Definition der Kunst. Das deutsche Wort „Kunst“ hängt sprachwissenschaftlich tatsächlich mit dem Verb „können“ zusammen. Wegen der schier unendlich vielfältigen Formensprache der zeitgenössischen und der historischen Kunst, scheint eine Definition über formale Kriterien, also das fassbar materielle Ergebnis, wenig erfolgversprechend. Wenn man aber nur danach fragt, wer etwas darbietet, und wer es aufnimmt, ohne zunächst die Komplexität und die Qualität zu beurteilen, könnte der einfachste Kompromiss etwa so lauten: Wenn ein Wesen etwas in künstlerischer Absicht erschafft und ein Betrachter oder Zuhörer dieses als Kunstwerk wahrnimmt, handelt es sich um Kunst. Bildungsblitz 

 
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