Das Neolithikum

Die Jungsteinzeit: Korn, Haus, Schwert

Nach dem Ende der letzten Eiszeit begann vor etwa 11.000 Jahren das Neolithikum, die Jungsteinzeit. Zählen Sie die Kupfersteinzeit dazu, endete sie etwa vor 3000 Jahren. An der Mittelmeerostküste, der Levante, wurde es trockener. Aus Mangel an jagdbarem Großwild begannen die Menschen, wilde Ziegen und Schafe nicht mehr zu jagen, sondern zu fangen und zu vermehren. Innerhalb des fruchtbaren Halbmondes, einem halbkreisförmigen Gebiet, das sich von der Levante über Syrien und den Irak bis in den Irak erstreckt, fand man heraus, dass sich die Widerstandsfähigkeit und Ertragskraft wilder Süßgräser steigern ließ, indem die Körner der besten Pflanzen nicht gegessen, sondern gezielt als Saatgut genutzt wurden: Die Getreidezucht war erfunden. Die ältesten Gerste- und Weizensorten sind über 10.000 Jahre alt. Ferner fanden die Menschen heraus, dass die feinstkörnigen Silikate, also Ton, mit etwas gröberen Sandkörnern (auch Silikate) zu Lehm vermischt, einen exzellenten Werkstoff abgeben. Mit Wasser zu einer klebrigen Masse verarbeitet und nach dem Formen gebrannt, ließen sich Gefäße zum Aufbewahren der Getreidekörner herstellen. Ließ man den Lehm zu Ziegeln geformt an der Sonne trocken, konnten die Menschen nun erstmals langlebige und stabile Behausungen errichten.
Auch wenn es weiterhin Nomaden, sowie Jäger und Sammler gab, war mit diesen Erfindungen für einen Teil der Menschheit der Schritt zu sesshaftem Leben vollzogen. Tierhaltung und die Verwendung von Getreide waren schon in der ausgehenden Altsteinzeit nicht unbekannt. Da sich die vorherrschende Lebensweise aber so grundlegend änderte, wird dieser letzte Abschnitt der Steinzeit oft Neolithische Revolution genannt.
Zentren dieser jungsteinzeitlichen Entwicklung finden sich außerhalb der östlichen Mittelmeerregion auch in Indien, China, Zentralafrika und viel später auch in Mexiko und in den Anden. Im heute jordanischen Jericho existierte vor über 10.000 Jahren eine der ersten Siedlungen aus festen Gebäuden, die mit einer umgebenden Mauer und einem Turm aus Lehmziegeln eine entwickelte Bautechnik präsentierte.

Als die Menschen vor mehr als 10.000 Jahren beim Verarbeiten der seltenen bronzefarben-grüngefleckten Brocken bemerkten, dass diese verformbar und weicher als die gewohnten Gesteine waren, stellten sie zunächst Schmuck daraus her. Mit dem Kupfer war der erste metallische Werkstoff gefunden worden.
 Später fand man heraus, dass sich Kupfer, das selten auch als reines Metall (dann nennt man es gediegen) und nicht als Erz vorkommt, auch gut zu Werkzeugen und Waffen verarbeiten lässt. Metallverarbeitende Siedlungen sind in Südosteuropa schon vor über 6.000 Jahren entstanden. Weil die Menschen bereits bei der Keramikherstellung gelernt hatten, Werkstoffe hohen Temperaturen auszusetzen, dürften sich die wichtigen weiteren Fortschritte der Metallverarbeitung zufällig ergeben haben: Die Trennung von Metall und Stein beim Verhütten von Erz, das Schmieden und schließlich die Erfindung der Bronze durch Addition von Zink zum Kupfer.
Aus Bronze lassen sich Schneiden herstellen, die dauerhaft scharf bleiben und daher war diese Legierung vor allem für die Waffentechnologie eine wichtige Errungenschaft. Mit der Bronze kam der Krieg unter die Menschheit. Diese Legierung bedeutet auch für die Geschichte der Welt eine Zäsur. Ab diesem Zeitpunkt sprechen wir nicht mehr von Neandertalern und Homo sapiens, sondern von Völkern und Staaten - die Biologen übergeben an die Historiker.

 
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