Von der Reformation zum Dreißigjährigen Krieg

Ob Martin Luther wirklich 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg geschlagen hat, lässt sich nicht mehr nachweisen. Unbestreitbar löste er aber die größte religiös-kirchliche Umwälzung des vergangenen Jahrtausends aus. Viele Historiker benutzen den Thesenanschlag sogar, um mit ihm und der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus (1492) das Mittelalter zu beenden und die Neuzeit einzuläuten.

Luther setzte anstelle der Hölle als maximale Bestrafung von irdischem Fehlverhalten die Gnade Gottes. Da diese Gnade auch dem schlimmsten Sünder zuteil werde, brauchte es nach Luthers Verständnis auch keinen kirchlichen Beichtstuhl und schon gar keinen Ablasshandel, bei dem der Gläubige gegen Geld den Einzug ins Paradies erkaufen konnte. Vielmehr sollten die Menschen durch festen Glauben und indem sie die von Luther übersetzte Bibel studierten, dieser Gnade in ständiger Demut gerecht werden. Dieses Konzept erscheint nicht nur Katholiken ziemlich streng. Es lässt sich in der schlichten Inneneinrichtung evangelischer Kirchen nachempfinden. Zudem beschränkt es die Bedeutung des Geistlichen, der nun nicht mehr die Absolution für diesseitige Sünden erteilen kann. Vielmehr kann der Pastor nur noch durch die Auslegung der heiligen Schrift den Weg zu einem gottesfürchtigen und rechtschaffenden Leben weisen.

Wegen dieser aus Sicht der Kirche ungeheuerlichen Thesen wurde Luther vom Papst exkommuniziert und musste sich auf dem Reichstag in Worms vor Kaiser Karl V. (1500 - 1558) rechtfertigen. Dieser verhängte die Reichsacht über Luther, woraufhin er von seinem sächsischen Landesfürsten Friedrich dem Weisen auf der Wartburg versteckt wurde. Weil Luther unterstützende Fürsten 1529 auf einem Reichstag in Speyer gegen die Autorität des Kaisers protestierten, wurde die neue Glaubensauslegung Protestantismus genannt. Nicht nur unter den Fürsten fanden Luthers Lehren viele Anhänger. Sie schufen eine Atmosphäre, in der schließlich die Bauern ihre Unzufriedenheit mit der Obrigkeit und mit sozialen Missständen kriegerisch artikulierten. Nach anfänglichen Erfolgen der Bauernheere gewannen die Fürsten mit Hilfe professioneller Söldner die Oberhand und über 70.000 Bauern verloren bei blutigen Kämpfen ihr Leben. Im Augsburger Religionsfrieden von 1555 billigten sich die deutschen Fürsten das Recht zu, selbst über die Konfession des eigenen Landes zu entscheiden. Das jeweilige Landesvolk hatte von da ab das Glaubensbekenntnis seines Landesherren zu übernehmen, erhielt aber die Erlaubnis, das Land zu verlassen, um in ein evangelisches oder katholisches Land umzuziehen.

Die Auseinandersetzungen zwischen Katkoliken und Protestanten setzten sich über hundert Jahre fort und mündeten in einer der großen europäischen Katastrophen: Der Dreißigjährige Krieg begann 1618 mit dem Prager Fenstersturz, bei dem protestantische Adelige drei Abgesandte des zukünftigen habsburgisch-deutschen Kaisers Ferdinand II. aus dem Fenster der Königsburg warfen, weil sie sich nicht die katholische Konfession aufzwingen lassen wollten. In dem sich nun ausbreitenden Krieg repräsentierten die Feldherren Tilly und der später ermordete Wallenstein (1583 - 1634) die militärische Macht des katholischen Kaisers.
Es ging in diesem Krieg also zum einen um die Verbreitung der evangelischen bzw. der katholischen Konfession und zum andern um die alte Konkurrenz zwischen fürstlicher und kaiserlicher Macht. Schließlich suchten andere europäische Mächte ihre Interessen in dem riesigen, aber politisch schwachen Reich wahrzunehmen.
Schon kurz vor dem Krieg hatten sich die Fürsten in zwei Lagern, der Protestantischen Union und der Katholischen Liga organisiert. Nacheinander fielen die protestantischen Könige von Dänemark und Schweden nach Deutschland ein. Sie wurden aber schließlich von den kaiserlichen Truppen zurückgedrängt, sodass das katholische Frankreich auf der Seite der Protestanten in den Krieg eingriff, um die habsburgische Machtfülle zu begrenzen. Bildungsblitz 

Die wechselvollen Kämpfe des Dreißigjährigen Krieges zogen weite Teile Deutschlands in Mitleidenschaft. Weil zusätzlich eine kalte Klimaschwankung für schlechte Ernten sorgte und vielerorts die Pest (eine bakterielle Infektionskrankheit, welche durch Flöhe, Ratten oder direkt von Mensch zu Mensch übertragen wird) wütete, war 1648 in ganzen Landstrichen die Bevölkerung auf einen Bruchteil des Vorkriegsniveaus gesunken. Die landwirtschaftliche Produktion war vielerorts zum Erliegen gekommen. Schließlich wurde in Münster und Osnabrück nach langjährigen Verhandlungen der Westfälische Frieden geschlossen. Als ein Ergebnis war die kaiserliche Autorität über das Heilige Römische Reich geschwächt. Schweden erhielt das nordostdeutsche Vorpommern.
Deutschland war zu einem Flickenteppich aus weitgehend unabhängigen katholischen und evangelischen Ländern geworden. Doch in der politischen Asche loderte ein neues Licht. Das kleine Preußen sollte nun zum Gegenpol des katholischen Habsburg werden. 

 
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