Thomas Mann

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Thomas Mann zählt zu den bedeutendsten Erzählern deutscher Sprache im 20. Jahrhundert. Für seinen ersten Roman Buddenbrooks (1901) erhielt er 1929 den Nobelpreis für Literatur.

files/Bildungsexplosion/img/473px-Thomas_Mann_1937.jpgVerheiratet war er mit Katia Mann (geborene Katharina Hedwig Pringsheim), die ihn zu mehreren seiner literarischen Figuren und Werke inspirierte. Sein älterer Bruder Heinrich und drei seiner sechs Kinder, Erika, Klaus und Golo, waren ebenfalls Schriftsteller.

Die frühen Jahre

Thomas Mann war der zweite Sohn des Kaufmanns und Lübecker Senators Thomas Johann Heinrich Mann. Seine Mutter war mütterlicherseits brasilianischer Herkunft. Die Familie zählte zu den ersten Kreisen Lübecks.[1] Seine Kindheit hat Thomas Mann später als „gehegt und glücklich“ bezeichnet. Seine Schulzeit dagegn empfand Thomas Mann als stumpfsinnig. Schon früh begann er zu schreiben und beteiligte sich 1893 mit Prosaskizzen und Aufsätzen an der von ihm mit herausgegebenen Schülerzeitschrift Der Frühlingssturm. 1894 verließ er als Obersekundaner vorzeitig das Katharineum zu Lübeck und ging nach München, wohin die Mutter schon ein Jahr zuvor mit den Geschwistern gezogen war.

Krafft Tesdorpf, der seit dem Tod des Vaters (1891) zum Vormund für die noch nicht volljährigen Kinder bestellt war, bestimmte, dass Thomas Mann nach dem Abgang von der Schule einen bürgerlichen Beruf ergreifen sollte. Thomas nahm deshalb eine Stelle als Volontär in einer Feuerversicherungsgesellschaft an, obwohl die Bürotätigkeit ihn langweilte. Sein Debüt als Schriftsteller gab er 1894 mit der Novelle Gefallen. Thomas Mann beendete 1895 seine Versicherungstätigkeit und begann, Vorlesungen an der Technischen Hochschule München zu besuchen, um später einen journalistischen Beruf auszuüben. 1896 war er mit 21 Jahren volljährig geworden und erhielt monatlich 180 Goldmark aus den Zinsen des väterlichen Vermögens, was ihm ein Leben als freier Schriftsteller ermöglichte.

Erste Buchveröffentlichungen

1896 folgte er seinem Bruder nach Italien. Sie mieteten sich im Juli 1897 in dem östlich von Rom liegenden Ort Palestrina ein. Gemeinsam verfassten sie dort das Bilderbuch für artige Kinder. Es enthielt parodistische „Kunstgedichte“ und war mit eigenhändigen Zeichnungen illustriert. Thomas Mann schrieb in Palestrina einige Novellen, unter anderen Der kleine Herr Friedemann, und begann mit dem Roman Buddenbrooks. Seine sporadische Mitarbeit an dem Organ Das Zwanzigste Jahrhundert – Blätter für deutsche Art und Wohlfahrt stellte Thomas Mann nach seiner Rückkehr ein, da ihm der völkische Grundton und darin enthaltene antisemitische Anklänge missfielen. Stattdessen arbeitete er 1898 ein Jahr lang in der Redaktion des Simplicissimus.

1900 wurde er als „Einjährig-Freiwilliger“ zum Dienst im Münchner Leibregiment eingezogen. Seine militärische Laufbahn endete nach drei Monaten wegen Dienstuntauglichkeit – ein Erlebnis, das sich in der Musterungsszene in den Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull widergespiegelt findet.

1901 wurde Manns erster Roman Buddenbrooks veröffentlicht. Er verarbeitete darin seine Familiengeschichte als Verfallsgeschichte des Bürgertums und verewigte seine Heimatstadt Lübeck, ohne sie beim Namen zu nennen. Die zweibändige Erstausgabe stieß zunächst auf nur geringe Resonanz. Die einbändige zweite Auflage von 1903 dagegen brachte den Durchbruch und machte Thomas Mann in der Öffentlichkeit bekannt. Einige Figuren des Romans haben Vorbilder in der Familiengeschichte der Manns, viele Nebenfiguren sind Lübecker Bürgern nachgestaltet. Die meisten Porträtierten waren wegen der ironisierenden Darstellung nicht begeistert, sich im Buch wiederzufinden. Bald kursierte eine Liste, die die lebenden Vorbilder identifizierte und die eine Lübecker Buchhandlung ihrer Kundschaft auslieh. Das Verhältnis der Lübecker zu ihrem prominenten Mitbürger war deshalb lange Zeit gespannt. 1929, 28 Jahre nach seinem Erscheinen, erhielt Thomas Mann für die Buddenbrooks den Nobelpreis für Literatur.

 Die Ehe

1903 zeichneten sich erste Missstimmungen zwischen den Brüdern ab. Der Kontakt brach zwar nicht völlig ab und es kam immer wieder zu Annäherungsversuchen, ein künstlerischer Austausch fand aber nur im regelmäßigen Briefwechsel statt, wobei der jeweilige Briefschreiber die Werke des Empfängers kommentierte.

Mit dem Entschluss, Katia Pringsheim zu heiraten, entschied er sich für ein „geordnetes“ Leben und heiratete in eine der angesehensten Familien Münchens ein. In seinen Briefen und Tagebüchern sind bis dahin nur homoerotische Schwärmereien dokumentiert. So schrieb er noch 1901 über Paul Ehrenberg an seinen Bruder Heinrich „Das Ganze ist Metaphysik, Musik und Pubertätserotik: – ich komme nie aus der Pubertät heraus.“[4] Er lebte seine Homosexualität jedoch nie aus, es blieb bei Schwärmereien für „Jünglinge“, die unter anderem in den Buddenbrooks (Hanno/Kai Graf Mölln), in Tonio Kröger (Tonio Kröger/Hans Hansen), im Zauberberg (Hans Castorp/Pribislav Hippe) und in Der Tod in Venedig (Gustav von Aschenbach/Tadzio) ihren Niederschlag fanden.
Katia zögerte zunächst, sodass sich die Eheschließung bis zum 11. Februar 1905 hinauszögerte. In seinem zweiten Roman Königliche Hoheit von 1909 hat Thomas Mann die Brautzeit literarisch verarbeitet. Mit Katia hatte er die sechs Kinder Erika (1905–1969), Klaus (1906–1949, Suizid), Golo (1909–1994), Monika (1910–1992), Elisabeth (1918–2002) und Michael (1919–1977, vermutlich Suizid) Mann.

1912 äußerten Ärzte bei Katia den Verdacht auf Tuberkulose, was einen längeren Sanatoriums-Aufenthalt in Davos erforderlich machte. Thomas Mann war, als er sie dort besuchte, beeindruckt von der Atmosphäre des Sanatoriums und fasziniert von den amüsanten Schilderungen, die ihm seine Frau über die Klientel der Klinik gab. Sie inspirierten ihn zu seinem Roman Der Zauberberg, den er 1913 begann, aber erst 1924 vollendete.[5]

 

1914 bis 1929

Als im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, gab es viele Literaten, die der allgemeinen Stimmung im Deutschen Reich nicht widersprachen. Der Krieg wurde begrüßt und bejubelt. Thomas Mann dagegen vertrat einen eher verhaltenen Patriotismus, hielt den Krieg allerdings prinzipiell für notwendig, galt es aus seiner Sicht, den „verworfensten Polizeistaat der Welt“, das zaristische Russland, „zu zerschlagen“.

In seinen Gedanken im Kriege – Reflexionen zum Gegenstand des Krieges – verteidigte der Dichter seine militaristischen Standesbrüder. Den Kontakt zu Heinrich, der sich wie Stefan Zweig, Hermann Hesse, Arthur Schnitzler und Romain Rolland gegen das Geschehen stemmte, hatte er inzwischen ganz abgebrochen. Detailliert setzte er sich mit den geistigen Strömungen der Kriegszeit in seinem umfangreichen Werk Betrachtungen eines Unpolitischen auseinander, in dem er, letztlich vergeblich, den Unterschied zwischen dem deutschen Geist und der französischen Zivilisation herauszuarbeiten versucht. Den Gegensatz zu seinem eigenen Verständnis als Künstler bildet sein Bruder Heinrich als „Zivilisationsliterat“. Schon kurze Zeit nach der Drucklegung (Ende 1918) folgte allerdings eine immer stärkere Distanzierung Manns von dieser Phase seines politischen Denkens.

 Die Weimarer Republik

Die Ermordung des Reichsaußenministers Walther Rathenau am 24. Juni 1922 war mitauslösend für Manns Entscheidung, öffentlich für die Republik und ihre Werte einzutreten. Mit seiner Rede Von deutscher Republik trat er zum ersten Mal als politischer Mahner und Befürworter der neuen Staatsform hervor. Demokratie und Humanität, so Mann, seien eins, und da der Mensch dem Prinzip der Humanität folgen solle, habe er also nach einem demokratischen Zusammenleben zu streben.
1924 veröffentlichte der Dichter seinen Roman Der Zauberberg. Der als humoristisches Gegenstück zum Tod in Venedig, mit der Faszination von Liebe und Tod geplant war. Ähnlich wie in den Buddenbrooks wird darin, gegenläufig zu einem klassischen Bildungsroman, eine Verfallsgeschichte künstlerisch gestaltet.

Er war auf Anhieb ein großer Erfolg. Danach folgten Unordnung und frühes Leid und Über die Ehe. 1925 begann der Autor mit der Arbeit an der Tetralogie Joseph und seine Brüder. Modell für die Konturen Josephs standen die jungen Menschen, von denen der Schriftsteller sich verzaubert fühlte. Auch der siebzehnjährige Klaus Heuser, ein Freund seiner Kinder, den Thomas Mann 1927 in Kampen auf Sylt kennengelernt hatte und über den er notierte, er sei seine „nach menschlichem Ermessen letzte Leidenschaft“, dürfte in die Figur des Joseph eingeflossen sein. Die Tetralogie hielt Thomas Mann selbst für sein bedeutendstes Werk. Sie entstand in den Jahren 1928 bis 1943, also zum größten Teil während der Nazi-Zeit. Mann wollte mit ihr ein auf der alttestamentlichen Josephserzählung (Gen 37-50) beruhendes orientalisch-heiteres Gegenepos zu dem nordisch-düsteren Nibelungenmythos Richard Wagners schaffen.

Thomas Mann beteiligte sich als Gründungsmitglied der Sektion Dichtkunst bei der Preußischen Akademie der Künste unmittelbar an Versuchen, das Ansehen der Literatur zu heben. Insbesondere wandte er sich gegen das damals geltende „Schmutz- und Schundgesetz“, das die schriftstellerische Freiheit einschränkte.

Der Nobelpreis für Literatur war für Mann keine Überraschung. Bereits Jahre zuvor war spekuliert worden, dass er ihn bekommen könnte, er selbst hatte schon 1927 darauf gehofft. Am Nachmittag des 12. November 1929 erreichte ihn die Nachricht aus Stockholm. Er war konsterniert, dass sich das Komitee praktisch nur auf seinen ersten Roman bezog. Grund war der Stockholmer Königsmacher, der Schwede Fredrik Böök, der dem Roman Der Zauberberg keine Wertschätzung entgegenbringen mochte und ihn mehrfach verrissen hatte.

Die Reichstagswahl 1930 hatte den Nationalsozialisten einen gewaltigen Stimmenzuwachs beschert. Thomas Mann, der, wie viele andere Skeptiker, die politische Kraft der NSDAP mit Misstrauen beobachtet hatte, entschloss sich zu einem Appell an die Vernunft, einer Rede, die er am 17. Oktober 1930 im Berliner Beethovensaal hielt und die als „Deutsche Ansprache“ in die Geschichte einging.

Nationalsozialismus und Exil

Thomas Mann nannte den Nationalsozialismus in nüchterner Unumwundenheit „eine Riesenwelle exzentrischer Barbarei und primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsrohheit“ mit „Massenkrampf, Budengeläut, Halleluja und derwischmäßigem Wiederholen monotoner Schlagworte, bis alles Schaum vor dem Munde hat“. Er fragte, ob das deutsch sei und ob „das Wunschbild einer primitiven, blutreinen, herzens- und verstandesschlichten, hackenzusammenschlagenden, blauäugig gehorsamen und strammen Biederkeit, diese vollkommene nationale Simplizität in einem reifen, vielerfahrenen Kulturvolk wie dem deutschen“ überhaupt verwirklicht werden könne. Der Beifall im Saal war groß, drang aber nicht nach draußen durch. Thomas Mann zählte zu den wichtigsten prominenten Gegnern des Nationalsozialismus.

Im Februar 1933 sollte das Ehepaar Mann von einer Vortragsreise nach Amsterdam, Brüssel und Paris nicht mehr nach München zurückkehren. Als alle Mitglieder der Sektion Dichtkunst bei der Preußischen Akademie der Künste aufgefordert wurden, gegenüber der nationalsozialistischen Regierung eine Treueerklärung abzugeben, erklärte Mann mit einem Schreiben an den Akademie-Präsidenten

Max von Schillings vom 17. März 1933 seinen Austritt.

Von der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 blieben seine Werke verschont, jedoch nicht die seines Bruders Heinrich und seines Sohnes Klaus.[8]

Der Entschluss, Deutschland den Rücken zu kehren, fiel den Manns nicht leicht, da sie ihr Sachvermögen zurücklassen mussten. Nur ein Teil davon konnte später auf Umwegen in die Schweiz geschafft werden. Zu finanziellen Engpässen kam es jedoch nicht, da sie rechtzeitig einen erheblichen Teil des Stockholmer Preisgeldes für den Nobelpries (200.000 Reichsmark) und Bargeld aus Deutschland in die Schweiz transferieren konnten.

1934 und 1935 reisten die Manns die ersten beiden Male in die Vereinigten Staaten. Die US-Amerikaner waren an dem prominenten Schriftsteller interessiert und gewährten ihm ohne gültigen Pass die Einreise. Am 19. November 1936 wurde ihm auf seinen Antrag hin im tschechischen Konsulat die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft verliehen. Im Tagebuch vermerkt er dazu knapp: „Sonderbares Ereignis.“ Wenige Wochen später wurde ihm – gleichzeitig mit seiner Frau Katia und den Kindern Golo, Elisabeth und Michael – die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Das Ausbürgerungsverfahren wurde nach den Erkenntnissen einer Unabhängigen Historikerkommission durch die Stellungnahme des damaligen Gesandten Ernst von Weizsäcker begünstigt, der sich im Mai 1936 in einem Brief aus Bern dafür ausgesprochen hatte, weil Thomas Mann neben „höhnischen Bemerkungen“ sogar „feindselige Propaganda gegen das Reich im Ausland“ betrieben habe.[9] Zugleich entzog die Universität Bonn Mann die Ehrendoktorwürde, die ihm 1919 verliehen worden war.[10]

In den 1930er Jahren besuchte der Dichter auch sechsmal Ungarn Hier publizierte er in der ungarischen deutschsprachigen Zeitung Pester Lloyd 1936 den Essay Achtung, Europa!.

Die endgültige Übersiedlung Thomas Manns und seiner Familie in die USA fiel zeitlich mit dem Berchtesgadener Abkommen zusammen, das zum Anschluss Österreichs an Deutschland führen sollte. Bei der Ankunft in New York am 21. Februar 1938 baten ihn Reporter daher um eine Stellungnahme zu jener Entwicklung die am nächsten Tag in der New York Times abgedruckt:

Es ist schwer zu ertragen. Aber was es leichter macht, ist die Vergegenwärtigung der vergifteten Atmosphäre, die in Deutschland herrscht. Das macht es leichter, weil man in Wirklichkeit nichts verliert. Wo ich bin, ist Deutschland. Ich trage meine deutsche Kultur in mir. Ich lebe im Kontakt mit der Welt und ich betrachte mich selbst nicht als gefallenen Menschen.

Thomas Mann erhielt eine Gastprofessur an der Universität in Princton. Vier Vorlesungen standen auf seinem Lehrplan mit den selbstgewählten Themen Faust von Goethe, Wagner, Freud und eine Einführung in den Zauberberg.

Das erste Jahr in den Vereinigten Staaten endete erfolgreich. Er war finanziell abgesichert, seine Werke verkauften sich gut, er unternahm einige Lesereisen, traf wichtige Persönlichkeiten und erhielt fünf Ehrendoktorwürden (Harvard, Yale, Columbia, Rutger und Princeton). Am 6. Juni 1939 startete er zu seiner vorerst letzten Reise nach Europa. Gleichzeitig arbeitete er an seinem Roman über Goethe, den er im Oktober 1939 beendete und der im gleichen Jahr unter dem Titel Lotte in Weimar erschien. Der Goethe-Roman entstand zwischen dem dritten und vierten Band der Joseph-Tetralogie. Er gestaltet eine späte Wiederbegegnung (1816) zwischen Goethe und Charlotte Kestner, geb. Buff (Werthers Lotte) aus verschiedener Sicht und thematisiert den Gegensatz zwischen Kunst und Leben, Leben und Geist.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 bewog Thomas Mann zu zahlreichen Aktionen. Er war Mitglied in mehreren Ausschüssen, die Emigranten unterstützten. Im Oktober 1940 begann er mit den Texten für seine Radiosendung Deutsche Hörer! Die BBCstrahlte die fünf- bis achtminütigen Aufnahmen über Langwelle auch auf das Gebiet von Deutschland aus. Die Einnahmen

Thomas Mann erhielt eine Gastprofessur an der Universität in Princton. Vier Vorlesungen standen auf seinem Lehrplan mit den selbstgewählten Themen Faust von Goethe, Wagner, Freud und eine Einführung in den Zauberberg.

Das erste Jahr in den Vereinigten Staaten endete erfolgreich. Er war finanziell abgesichert, seine Werke verkauften sich gut, er unternahm einige Lesereisen, traf wichtige Persönlichkeiten und erhielt fünf Ehrendoktorwürden (Harvard, Yale, Columbia, Rutger und Princeton). Am 6. Juni 1939 startete er zu seiner vorerst letzten Reise nach Europa. Gleichzeitig arbeitete er an seinem Roman über Goethe, den er im Oktober 1939 beendete und der im gleichen Jahr unter dem Titel Lotte in Weimar erschien. Der Goethe-Roman entstand zwischen dem dritten und vierten Band der Joseph-Tetralogie. Er gestaltet eine späte Wiederbegegnung (1816) zwischen Goethe und Charlotte Kestner, geb. Buff (Werthers Lotte) aus verschiedener Sicht und thematisiert den Gegensatz zwischen Kunst und Leben, Leben und Geist.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 bewog Thomas Mann zu zahlreichen Aktionen. Er war Mitglied in mehreren Ausschüssen, die Emigranten unterstützten. Im Oktober 1940 begann er mit den Texten für seine Radiosendung Deutsche Hörer! Die BBCstrahlte die

aus der Sendung spendete Mann dem British War Relief Fund. Eine seiner bekanntesten Ansprachen ist die Sendung vom 14. Januar 1945:

„Wäre dieser Krieg zu Ende! Wären die grauenhaften Menschen erst beseitigt, die Deutschland hierhin gebracht haben, und könnte man anfangen, an einen Neubeginn des Lebens, an ein Forträumen der Trümmer, der inneren und äußeren, an den allmählichen Wiederaufbau, an eine verständige Aussöhnung mit den anderen Völkern und ein würdiges Zusammenleben mit ihnen zu denken! – Ist es das, was Ihr wünscht? Spreche ich damit Eure Sehnsucht aus? Ich glaube es. Ihr seid des Todes, der Zerstörung, des Chaos übersatt, wie sehr Euer Heimlichstes zeitweise danach verlangt haben möge. Ihr wollt Ordnung und Leben, eine neue Lebensordnung, wie düster und schwer sie sich für Jahre auch anlassen wird.“

Thomas Mann war einer von nur wenigen in der Öffentlichkeit aktiven Gegnern des Nationalsozialismus, auf die der deutsche Diktator in seinen Hetzreden namentlich einging. Mann revanchierte sich mit Anspielungen auf die rhetorischen Schwächen des „Führers“ und betonte die Richtigkeit seiner eigenen Vorhersagen:

„Deutsche Hörer! […] Ich suchte mit meinen schwachen Kräften hintan zu halten, was kommen musste […] – Den Krieg, an dem eure lügenhaften Führer Juden und Engländern und Freimaurern und Gott weiß wem die Schuld geben, während er doch für jeden Sehenden gewiss war von dem Augenblick an, wo sie zur Macht kamen und die Maschine zu bauen begannen, mit der sie Freiheit und Recht niederzuwalzen gedachten.“

Die unter dem Namen „Deutsche Hörer!“ 

bekannt gewordenen Radiosendungen boten nach dem Krieg in Deutschland viel Diskussionsstoff. Während einige behaupteten, Thomas Mann habe in seinen Reden eine Kollektivschuld aller Deutschen suggeriert, vertraten andere die Meinung, er sei lediglich mit der Mentalität der Weimarer Republik und dem sozialen Klima in den ersten Jahren des Nationalsozialismus sehr hart ins Gericht gegangen.

Das Verhältnis der Nationalsozialisten zu Thomas Mann, der sich schon seit den frühen 1920er Jahren öffentlich gegen die rechtsextremen politischen Tendenzen in Deutschland gewendet hatte, war nach der Machtergreifung 1933 zunächst gespalten. In München wurden zwar Haus und Vermögen beschlagnahmt und sogar ein „Schutzhaftbefehl“ erlassen. Doch noch im März 1934 durfte der Roman Der junge Joseph beim Berliner S. Fischer Verlag erscheinen, was darauf hindeutet, dass eine Rückkehr des international bekannten Nobelpreisträgers Thomas Mann ins Deutsche Reich zumindest den Machthabern in Berlin ins Konzept gepasst hätte. Thomas Mann zögerte auch sehr lange sich öffentlich klar gegen das Regime zu positionieren. Erst nachdem er im Februar 1936, nicht zuletzt auf starken Druck seiner Tochter Erika hin, mit einem offenen Brief an Eduard Korrodi in der Neuen Zürcher Zeitung den öffentlichen und eindeutigen Bruch mit den deutschen Machthabern herbeigeführt hatte, erfolgten Ausbürgerung und Versteigerung des zurückgebliebenen Münchener Hausrats. Thomas Manns Verhältnis zum Judentum war ambivalent. Er selbst bezeichnete sich indes als Philosemiten.

1941 waren die Manns nach Pacific Palisades, nördlich von Los Angeles übergesiedelt. Dort lebten sie in einem eigens errichtetes Wohnhaus. Und erhielten 1944 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. In den Jahren 1943 bis 1947 – unterbrochen 1946 durch eine schwere Lungenkrebserkrankung, die in Chicago operativ behandelt wurde – arbeitete Mann an Doktor Faustus. Für dieses Projekt hatte er im Vorfeld musikwissenschaftliche Lehrbücher sowie Biografien über Mozart, Beethoven, Berlioz, Hugo Wolf bis hin zu Alban Berg studiert. Mit zeitgenössischen Komponisten wie Strawinsky, Hanns Eisler und Arnold Schönberg nahm er Kontakt auf, um sich in Sachen Musikkomposition unterweisen zu lassen. Adorno lebte damals in der Nachbarschaft und beriet Thomas Mann gern und ausführlich, wie Katia Mann in ihren Ungeschriebenen Memoiren berichtet. Dokumentarisches und Historiografisches aus der Luther-Zeit und dem Dreißigjährigen Krieg gehörten ebenso zur Vorbereitung des Romans wie Grimmelshausen und Sprichwörtersammlungen des Mittelalters. Er nannte das Buch seine „Lebensbeichte“ und schrieb am 21. Oktober 1948 an Paul Amann: „Zeitblom ist eine Parodie meiner selbst. In Adrians Lebensstimmung ist mehr von meiner eigenen, als man glauben sollte – und glauben soll.“

Thomas Mann und das Nachkriegsdeutschland

Als einige Zeitungen nach Ende des Kriegs Thomas Mann als ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland ins Gespräch brachten, wies dieser das Ansinnen erschrocken von sich. In seinem offenen Brief Warum ich nicht nach Deutschland zurückkehre vertrat er die These von der Kollektivschuld der Deutschen. Drohbriefe und Verrisse seines Doktor Faustus waren die Folge. Die Bombardierung deutscher Städte während des Zweiten Weltkrieges kommentierte er mit den Worten: „Alles muß bezahlt werden.“ Es mussten einige Jahre vergehen, bis sich in der deutschen Öffentlichkeit wieder eine versöhnlichere Haltung gegenüber Thomas Mann einstellte.
Sein Entschluss, nach Europa zurückzukehren, verfestigte sich, als er im Juni 1951 vor dem Repräsentantenhaus im Kongress als „one of the world’s foremost apologists for Stalin and company“ (einer der weltweit bedeutendsten Verteidiger von Stalin und Genossen) bezeichnet wurde. Er musste Rechenschaft über seine Aktivitäten vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe ablegen. Im Juni 1952, kehrten die Manns mit Tochter Erika in die Schweiz zurück.

Schon 1949 hatte Thomas Mann anlässlich der Feiern zu Goethes 200. Geburtstag Deutschland einen Besuch abgestattet; Er besuchte Frankfurt am Main und Weimar, was von der Öffentlichkeit misstrauisch beäugt wurde, jedoch von Mann mit dem Satz kommentiert wurde: „Ich kenne keine Zonen. Mein Besuch gilt Deutschland selbst, Deutschland als Ganzem, und keinem Besatzungsgebiet.“ In Frankfurt erhielt er den westdeutschen Goethe-Preis. In Weimar traf er Johannes R. Becher, Präsident des Kulturbundes und späterer Kultusminister der DDR sowie Oberst Tjulpanow, Leiter der Informationsabteilung der SMAD, und es wurde ihm der ostdeutsche Goethe-Nationalpreis verliehen.Die gesamte Reise, die ihn auch nach Stuttgart und in das zerstörte München führte, stand unter polizeilichem Schutz, da es im Vorfeld einige Drohbriefe gegeben hatte. Letztlich wurde er aber enthusiastisch aufgenommen und seine Frankfurter Rede Goethe und die Demokratie wurde per Lautsprecher aus der Paulskirche auf den Vorplatz übertragen, wo weitere Zuhörer standen.

1954 setzte Thomas Mann die 1909 begonnene Arbeit am Roman Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull fort – er blieb letztlich ein Fragment. Am 20. Mai 1955 besuchte er ein letztes Mal seine Vaterstadt Lübeck und bekam im Rahmen dieses Aufenthaltes die Ehrenbürgerwürde verliehen. Am 12. August 1955 verstarb Thomas Mann achtzigjährig im Zürcher Kantonsspital an einer Ruptur der unteren Bauchschlagader. Als einer der langjährigen Wegbegleiter des Verstorbenen schrieb Carl Zuckmayer in seinen Worten des Abschieds: „An diesem Sarg verstummt die Meinung des Tages. Ein Leben hat sich erfüllt, das nur einem einzigen Inhalt gewidmet war: dem Werk deutscher Sprache, dem Fortbestand europäischen Geistes.“

Erzählerisches Werk und stilistische Eigentümlichkeiten

Thomas Mann knüpfte an die Erzähltechniken des 19. Jahrhunderts an, vor allem an den weit ausholenden Gestus Tolstois und die Symbole und Leitmotive im Werk Theodor Fontanes und Richard Wagners. Charakteristisch für Thomas Manns Prosa sind Ironie und „heitere Ambiguität“ (Tagebuch 13. Oktober 1953). Bis zu Der Zauberberg (1924) überwogen psychologischer Scharfblick und Durchschauen. Danach, in der „zweiten Hälfte“ des Gesamtwerks (Thomas Mann am 29. März 1949 an Hermann Ebers), wurden mythologische Motive und religiöse Themen gestaltet. Seine durch Gliedsätze und Einfügungen hoch verschränkte Erzählweise bewahrt Rhythmus und Balance, Sprache und Ton sind der jeweiligen Thematik angepasst.

Die Werke des Dichters haben folgende Gemeinsamkeiten:

  • Den schon erwähnten für Thomas Mann charakteristischen, bei den Lesern sehr populären „gravitätisch-verschmitzten“ Stil mit vordergründiger Feierlichkeit und einem hintergründigen ironischen Humor, meist wohlwollend, nie drastisch oder bitter oder ins Makabre ausartend. Diese Ironie ist in den Buddenbrooks durch niederdeutsche Einschübe ins Familiäre abgemildert. Nur im Doktor Faustus schlägt Thomas Mann angesichts des Kriegsgrauens vorwiegend ernste Töne an, obwohl auch dort der Humor nicht ganz zurücktritt.
  • Heimatverbundenheit: Lübeck (Buddenbrooks, Tonio Kröger), Norddeutschland (Zauberberg) bzw. Deutschland allgemein (Doktor Faustus) stehen im Vordergrund und sind wichtig; sehr wichtig ist auch München.
  • Die Musik ist wichtig; schon in den Buddenbrooks und beim Tristan spielt sie eine sehr große Rolle, und im Doktor Faustus die Hauptrolle.
  • Dazu kommen homoerotische Aspekte, die vor allen den Tod in Venedig kennzeichnen.
  • Neben homoerotischen Aspekten kommen in Manns Werk auch Metaphern für Inzest[16] und Sadomasochismus vor.[17][18]
  • Zentral ist für Thomas Mann das wechselseitige Verhältnis von Kunst und Ökonomie: Zweideutigkeit als System - Thomas Manns Forderung an die Kunst.
  • Gewissenhaftigkeit: Seine Werke verfasste Thomas Mann stets erst nach langer und gründlicher Recherche des Sachverhalts.
  • Politisches Engagement: Dieses - meist indirekte - Engagement zieht sich durch alle seine Werke, von den Buddenbrooks über Mario und der Zauberer bis hin zu Doktor Faustus. Im Gegensatz zu seinem Bruder und zweien seiner Kinder stand dabei Thomas Mann etwas „vornehm über den Dingen“, während diese von Anfang an eher „links“ eingestellt waren.

Tagebücher

Thomas Mann hat sein Leben lang Tagebuch geschrieben und verfügt, dass sie erst 20 Jahre nach seinem Tod geöffnet werden dürfen. Die noch vorhandenen und heute veröffentlichten Tagebücher umfassen die Zeiträume von September 1918 bis Dezember 1921 und von März 1933 bis Juli 1955. Da der Text der Tagebücher sich als „unliterarisch“ erwies und vom sprachlichen Niveau der Werke weit entfernt war, wurde auf die Veröffentlichung überwiegend enttäuscht reagiert. Erstaunlich war, dass Thomas Manns homoerotische Neigung sich hier sehr deutlich offenbarte; denn die zentrale Rolle für sein Leben, die Thomas Mann, laut Tagebuch, seiner Liebe zu jungen Männern beimaß, war so bisher weder aus dem Werk noch aus sonstigen bekannten Äußerungen abzulesen gewesen. Die hauptsächliche Bedeutung der Tagebücher besteht darin, seinen geistesgeschichtlichen Hintergrund zu vermitteln, die Entstehungsgeschichte seines Werks zu dokumentieren und Hinweise auf beabsichtigte Wirkungen zu geben.

Wirkung

Das Leben und Werk von Thomas Mann war schon zu Lebzeiten umstritten und blieb es über Thomas Manns Tod hinaus.

Unter anderem wurde seinen Werken ein Mangel an Genialität und Phantasie vorgeworfen, der sich nicht zuletzt aus seiner Arbeitsweise ergab. Manns Werke entstammen nicht bloßer Kreativität, sondern sind oft das Resultat jahrelanger, täglicher, disziplinierter Kleinarbeit. Die Schilderungen in seinen Werken gehen oft auf reale Gegebenheiten zurück, nur selten sind sie frei erfunden. Deren innovative Integration, weitläufige Assoziationen sowie präzise sprachliche Ausführung bilden das Kernstück der Arbeit Thomas Manns und machen seine Werke zu dem, was (gelegentlich auch despektierlich) als „bildungsbürgerlich“ bezeichnet wird.

Seine literarischen Erfolge, sein Konservatismus, sein großbürgerlicher Lebensstil und nicht zuletzt seine Fähigkeit zu prägnantem Polemisieren trugen zu Neid und Feindschaften bei. Dementsprechend gespannt war das Verhältnis zu manchen Schriftstellerkollegen. Robert Musil, von Mann durchaus hoch geschätzt, und Kurt Tucholsky bezeichneten ihn als „Großschriftsteller“, Bertolt Brecht nannte ihn einen „regierungstreuen Lohnschreiber der Bourgeoisie“, Alfred Döblin bezeichnete ihn als den Herrn, „der die Bügelfalte zum Kunstprinzip“ erhebt. Freundschaftliche Beziehungen unterhielt Mann dagegen insbesondere zu Hermann Hesse und Jakob Wassermann.

Da niemand neben Mann bestehen kann,besteht man nur gegen ihn. Und Marcel Reich-Ranicki resümiert: „Dutzende von Schriftstellern erklärten, niemand sei ihnen gleichgültiger als der Autor des Zauberberg. Aber sie beteuerten es mit vor Wut und wohl auch Neid bebender Stimme.“

Der ungarische Schriftsteller Sándor Márai beschäftigte sich mit Thomas Manns Spannungsverhältnis zu Deutschland: „Thomas Mann ist auf eine Weise Deutscher, als wäre er es in Afrika: trotzig und treu, gleichzeitig auch ein wenig einstudiert, demonstrativ, beleidigt und hochmütig deutsch. Er hat etwas von Mozart - seine Musik - und von Goethe - seine Rolle -, natürlich auch sehr viel von Thomas Mann, der in Lübeck als Patrizier geboren wurde und jetzt Thomas Mann in Küsnacht bei Zürich ist. Er ringt mit dem, was deutsch an ihm ist, auf Leben und Tod; will das Deutsche in sich zugleich ein wenig am Leben erhalten und ein wenig zu Tode verletzen. […] Möglich, dass er nicht ganz der ideale Deutsche ist, aber sicher der ehrlichste. […] Welch ein Konflikt! Ich verneige mich tief vor ihm, und manchmal tut er mir leid, der Arme.“

 

 

 

 
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