Der Kalender der belebten Erde

Sicher wollen Sie nach diesem geologisch-klimakundlichen Ausflug das Schicksal der Dinosaurier weiterverfolgen, doch zuvor ist es höchste Zeit, sich einen Kalender für die 4,6 Milliarden Jahre dauernde Geschichte unseres Planeten zuzulegen. Die Zeittafel ist dabei aus zwei Gründen ziemlich asymmetrisch geraten. Zum einen wissen wir einfach viel weniger über den älteren Teil der Erdgeschichte als über die jüngeren Abschnitte. Zum anderen war aus biologischer Sicht in den ersten vier Milliarden Jahren - im Vergleich zu dem, was nach der Kambrischen Explosion vor 542 Millionen Jahren folgen sollte - kaum etwas los. So hatten die Einzeller zwar schon vor 3,5 Milliarden Jahren die Photosynthese erfunden und es sich während fast drei Milliarden Jahren auf dem Planeten gemütlich gemacht. Aber erst als vor 600 Millionen Jahren vielzellige Wesen entstanden, die sich auch noch auf zwei Geschlechter verteilten, war das lange biologische Vorspiel abgeschlossen. Die Evolution sollte nun zeigen, zu welch‘ großem Theater sie entschlossen war. Und auch wenn die Geologen diesen langen Zeitraum in viele Abschnitte unterteilen, fassen wir die ersten gut vier Milliarden Erdenjahre als Präkambrium, also als die Zeit vor dem Kambrium zusammen. Bildungsblitz 

Die nun folgenden 542 Millionen Jahre (die Sie unter dem wenig gebräuchlichen Begriff Phanerozoikum zusammenfassen können) werden zunächst grob in das Erdaltertum (Paläozoikum, vor 542 - 251 Millionen Jahren), das Erdmittelalter (Mesozoikum, vor 251-66 Millionen Jahren) und die Erdneuzeit (Känozoikum, seit 66 Millionen Jahren) unterteilt. In jedem dieser drei Ären, die durch klangvoll bezeichnete Perioden wie Ordovitium, Jura oder Quartär weiter gegliedert werden, spielten sich aufregende biologische und geologische Geschehnisse ab, mit deren Hilfe man sich den Kalender des irdischen Lebens ganz gut einprägen kann. Ihr Heimatplanet wird Ihnen viel vertrauter erscheinen, wenn Sie den Zeitraum, in dem Fische, Dinosaurier, Gorillas und Menschen erstmalig in Erscheinung traten, mit einem schönen Namen und einer imposanten Zahl in Jahrmillionen benennen können.

files/Bildungsexplosion/img/Kalender der belebten Erde.Abb-16.06.2015.pngDer Kalender der jüngsten 542 Millionen Jahre beginnt mit dem Kambrium (vor 542 - 488 Millionen Jahren). In dieser ersten Periode des Erdaltertums war es nach dem letzten präkambrischen Eiszeitalter gerade wieder wärmer geworden und es kam im Meer zu der schon beschriebenen Eruption der Lebensvielfalt. Am Ende des darauf folgenden Ordovitiums (vor 488 - 443 Millionen Jahren) eroberten die Pflanzen das Land. Weil sie bei ihrer Weiterentwicklung und Ausbreitung zunehmend das Treibhausgas Kohlendioxid verstoffwechselten und so dessen Gehalt in der Atmosphäre senkten, trugen sie zu einem Eiszeitalter am Übergang zum Silur vor etwa 440 Millionen Jahren bei. Bildungsblitz 

Am Südpol lag der Riesenkontinent Gondwana und in Äquatornähe mit Laurasia die zweite große Landmasse.

In den Ozeanen des Silurs brachte die Evolution die ersten Wirbeltiere mit ihrem Innenskelett aus Knorpel oder Knochen und einem das Gehirn schützenden Schädel, hervor. Zu ihnen gehören auch die Fische und am Ende des Devon (vor 416 - 360 Millionen Jahren) traten die ersten amphibisch lebenden Landwirbeltiere mit vier Füßen auf.
Weil die grünen Pflanzen im Karbon (vor 360 - 299 Millionen Jahren) das Land mit dichten Wäldern bedeckten und diese gewaltige Biomasse in tiefere Erdschichten geriet, haben wir heute große Brennstoffreserven zur Verfügung (und müssen uns nun darüber Gedanken machen, wie wir das beim Fahren, Heizen und Verstromen (und beim Atmen) freigesetzte CO2 wieder im Kohlenstoffkreislauf abspeichern können). Die riesigen Farne hoben den Sauerstoffgehalt im Karbon auf den erdgeschichtlich einmaligen Wert von über 32 Prozent an.
Am Ende des Karbons und im Perm, welches das Erdaltertum abschließt, traten noch einmal zwei lange Eiszeitalter auf, während derer die antarktische Landmasse vergletscherte. Vor 300 Millionen Jahren hatten sich Gondwana und Laurasia zum Riesenkontinent Pangäa vereinigt. Im Erdmittelalter, dem Mesozoikum (vor 251-66 Millionen Jahren) mit seinen drei Perioden Trias, Jura und Kreide, gab es keine Eiszeitalter. Am Ende des Jura (vor 200 - 145 Millionen Jahren) vor 150 Millionen Jahren zerfiel Pangäa in zwei Teile und in der Kreidezeit (vor 145 - 65 Millionen Jahren), bildeten sich in mehreren Schritten die heutigen Kontinente.

 Die Hauptakteure des Mesozoikums waren die Dinosaurier. Für ihr plötzliches Aussterben wird ein besonderes Ereignis verantwortlich gemacht. Im heutigen Mexiko liegt die Einschlagstelle eines Meteoriten, der vor 65 Millionen Jahren dem größten Teil der Dinosaurier den Garaus machte. Der Aufprall des außerirdischen Brockens verursachte nicht nur das Ende der Dinosaurier, sondern er markiert in unserem Kalender auch den Übergang vom Mesozoikum zur Erdneuzeit dem Kanäozoikum (seit 65 Millionen Jahren). Die Erdneuzeit wird in Paläogen, Neogen und Tertiär unterteilt. Prägen Sie sich für das Paläogen (vor 65 - 23 Millionen Jahren) ein, dass die Kontinente in diesem Zeitintervall etwa ihre heutige Position und Form eingenommen hatten, Nord- und Südamerika aber noch getrennt waren. Zudem begann vor etwa 33 Millionen Jahren das aktuelle Eiszeitalter, unter anderem weil sich Australien und Südamerika vollständig von der Antarktis trennten und kühle Wassermassen um den südpolaren Riesengletscher zu strömen begannen. Außerdem bevölkerten im Paläogen erstmals die ersten modernen Säugetier-Beutegreifer mit ihren zwei großen Stammlinien den Hundeartigen (Canoidea) und den Katzenartigen (Feloidea) den Globus.
Im Neogen (vor 23 - 2,6 Millionen Jahren), als die Weltkarte in etwa ihr heutiges Aussehen angenommen hatte, betraten vor mindestens 15 Millionen Jahren die Menschenaffen (Hominidae),zu denen heute Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und wir Menschen gehören, die irdische Bildfläche. Und nun folgte das Ereignis, um das Theologen und Biologen unter der Überschrift : „Stammt der Mensch vom Affen ab?“ heftig streiten:

Vor sechs bis acht Millionen Jahren trennte sich von den übrigen Menschenaffen eine eigene Entwicklungslinie ab, welche die Vormenschen der Gattung Australopithecus hervorbrachte. Tatsächlich muss es hier so etwas wie das letzte gemeinsame Elternteil von Mensch und Tier gegeben haben: Während ihre übrigen Nachkommen Affen blieben, muss eine Tochter oder ein Sohn von seinen Geschwistern getrennt worden und von da ab einer veränderten Umwelt ausgesetzt gewesen sein. Unter dem abweichenden Selektionsdruck bildete dieses Alphaindividuum eine neue Abstammungslinie, die nach tausenden von Generationen zu den Menschen führte. Gleich mit Beginn des Quartär der letzten und aktuellen erdgeschichtlichen Periode (seit 2,6 Millionen Jahren) erblickte die Gattung Homo (Frühmenschen wie Homo habilis und Homo erectus) das Licht der Welt und spätestens vor 150.000 Jahren begann der moderne Mensch Homo sapiens die Geschicke des Planeten zu beeinflussen. Bildungsblitz 

 
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